An keinem anderen Ort der Welt trinken die Menschen mehr Tomatensaft als an Bord von Flugzeugen. Allein die Lufthansa schenkt über den Wolken jährlich 1,5 Millionen Liter aus. Hochgerechnet auf alle Fluglinien darf man davon ausgehen, dass fünf Prozent der gesamten weltweiten Tomatensaft-Produktion an Bord von Flugzeugen konsumiert wird. Ein kurioses Phänomen!
Die Gründe für die Getränkewahl über den Wolken sind vielschichtig. Das Gesundheitsportal Imedo sieht in den Klimabedingungen an Bord die Hauptursache. Zu Hause variiert die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent, in einem Flugzeug dagegen zwischen 5 und 15 Prozent. Diese Differenz erhöht den Flüssigkeitsbedarf enorm. Auf Reiseflughöhe liegt er bei 250 Milliliter stündlich.
Neben Flüssigkeit verliert der Organismus aber auch Elektrolyte wie Natrium oder Kalium. Tomatensaft enthält davon relativ viel! Instinktiv greifen also viele Flugreisende zum Tomatensaft, um ihre Ressourcen wieder aufzufüllen. Außerdem - so die Gesundheitsexperten - reduziert der geringe Luftdruck die Geschmacksempfindung der Passagiere. Das würzige Aroma des Tomatensaftes, das häufig noch durch Salz und Pfeffer verstärkt wird, schließt diese Empfindungslücke.
Die Newsagentur Gourmet Report dagegen behauptet, dass Tomatensaft an Bord nur deshalb so beliebt ist, weil er gratis ist. "Bei den Billigairlines, wo der Passagier seine Getränke selber zu bezahlen hat, wird kaum Tomatensaft geordert." Das Hamburger Abendblatt wiederum berichtet von wahren Kettenreaktionen, die vom Bordpersonal beobachtet werden. „Bestellt sich ein Passagier Tomatensaft, wollen ihn plötzlich alle." Übrigens: Besonders gut geht der Wundersaft im deutschen Luftraum auf den Strecken von und nach Düsseldorf.
