Kochen

Kartoffeln: Der rote Kardinal lässt Gourmets träumen

kartoffelnIn Deutschland sind laut Bundessortenliste etwa 200 Kartoffelsorten für den Anbau zugelassen. Das klingt erst mal nach viel. Vergegenwärtigt man sich jedoch, dass es vor rund 150 Jahren drei Mal so viele Sorten gab, kommt man ins Grübeln. Wo sind all die vielen Kartoffelsorten geblieben?


Mitte des 19. Jahrhunderts begann man in Europa mit der planmäßigen Kartoffelzüchtung. Nach der verheerenden ‚Krautfäuleepidemie', die 1845 in Europa wütete und kaum eine Kartoffelsorte verschonte, war es erklärtes Ziel, krankheitsresistente Kartoffelsorten zu züchten.


Mit Beginn der Mechanisierung der Landwirtschaft und der zunehmenden industriellen Nahrungsmittelverarbeitung kamen dann noch weitere "moderne" Zuchtziele hinzu. Die Kartoffel sollte nun auch unempfindlich gegen Beschädigungen sein, eine gleichmäßige und optimale Knollenform und -größe besitzen und sich besonders gut Schälen lassen. Außerdem war eine einheitlich gelbliche Fleischfarbe erwünscht.


Viele alte Sorten erfüllten diese Anforderungen nicht mehr und wurden somit im Laufe der Zeit aus dem Anbau genommen und gerieten in Vergessenheit.


Um dem Verlust der Kartoffelvielfalt entgegenzuwirken, begannen vor einigen Jahrzehnten engagierte Hobbyzüchter damit, die "ollen Knollen" im eigenen Garten anzubauen. Einige der alten Kartoffelsorten fanden dadurch wieder den Weg in den Handel und in die Gastronomie. Es sind überwiegend Öko-Landwirte, die die ungewöhnlichen Knollen auf Ihren Äckern kultivieren und meist über den Wochenmarkt verkaufen.


kartoffelkorbSchaut man sich im Internet um, findet man auch dort so manchen Anbieter alter Kartoffelsorten. Liest man deren Sortenlisten, meint man eher die Weinkarte eines noblen Gourmet-Restaurants vor sich zu haben: Red Cardinal, La Ratte, Shetland Black oder Tannenzapfen heißen einige der angebotenen Sorten.


Und so exotisch wie ihre Namen, sind auch ihre Formen und Farben. Die Knollen der Sorte Red Cardinal zum Beispiel haben eine knallrote Schale und sind innen rot-weiß marmoriert. Blue Salad und Blauer Schwede hingegen bestechen durch die Farbe Blau - innen wie außen. Die Farbpalette bei den alten Sorten reicht von rot, über blau bis zu violett. Dagegen erscheint die gelbfleischige Kartoffel, wie man sie im Supermarkt findet, beinahe langweilig.


Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Es gibt jedoch Kartoffelkenner, die behaupten, dass die alten Sorten in puncto Geschmacksvielfalt und -intensität um einiges besser abschneiden als die modernen Sorten. Wer Kartoffeln also nicht nur als reine Sättigungsbeilage genießen möchte, sondern etwas Außergewöhnliches sucht, sollte es einmal mit einer alten Kartoffelsorte versuchen.


(Quelle: aid)

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