Kolumnen

When you live in Berlin ... ... you drink Club Mate or Dry Gin and you eat Tim Raue

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Nina Anika Klotz ist freie Wirtschaftsjournalistin und lebt in Berlin. Sie schreibt am liebsten über Essen und Trinken. Ihre Artikel sind in der Financial Times, Capital, Der Feinschmecker und Zeit Online erschienen. Als Tochter eines Lebensmittel-Technologen hat die Bayerin immer schon gern und gut gegessen – die Entscheidung auch darüber zu schreiben, lag da irgendwie nahe.

Es gibt da einen ganz hübschen Tumblr: "When you live in Berlin". Oder um genau zu sein: Mittlerweile gibt es ein paar ganz hübsche Tumblr, die so oder so ähnlich heißen und sich über das Berlin-Mitte-Kreuzberg-Hipster-Expats-Party-Startup Menschen-Biomarkt-so edgy-fast wie New York, nur anders-arm aber sexy-Leben lustig machen. Und alle sind ziemlich komisch. Nur ein Berlin-Klischee haben sie bislang ausgelassen: When you live in Berlin, you drink Club Mate.

Club Mate

In Berlin ist Club Mate das, was der Pastis an der Côte d’Azur oder der Ouzo in Athen ist, so wie man in London einen Prince of Wales und in Havanna einen Mojito bestellt, nimmt man in der Hauptstadt eine Club Mate. Längst schon, seit Jahren. Das Schöne an der Club Mate (und wirklich Club Mate, mit „u“ und langem „a“, nicht „Klab Mäit“) ist, dass sie immer geht den ganzen Tag, als Frühstücksgetränk (mit so viel Koffein wie zwei Tassen Kaffee) und Ausgeh-Drink. Dazu schnell ein elaboriertes Berliner Cocktailgetränk: Club-Mate-Wodka. An der Bar Club Mate bestellen, großen Schluck aus der Flasche nehmen, Barmann mit Wodka wieder auffüllen lassen, Deckel zu. Wohl bekomms.

Berliner KreuzbaerEigentlich war es nur eine Frage der Zeit, dass die Original Club Mate (die in Franken gemacht wird) Konkurrenz bekommt. Lokale Konkurrenz. Auf der „Next Organic“, der Bio-Lebensmittelfachmesse im ehemaligen Flughafen Tempelhof, präsentierte ein Kreuzberger Unternehmen die „Gekko Mate“. Same, same, aber anders verpackt. Ähnlich auch der „Berliner Kreuzbär“ (Foto rechts), Faßbrause mit Wach-mach-Kick vom Südstern. Überhaupt waren Limonaden das Ding auf der Next Organic, gebraut, wohlgemerkt, aus echtem Obst, nicht irgendwie fantaesk zusammen gemischt. Insgesamt stellten 165 Lebensmittelmacher für Besucher aus Handel- und Gastronomie aus, die Messe fand zum ersten Mal statt und war ansehnlich besucht.

Berlin Dry Gin

Und wenn wir schon von Drinks sprechen: Natürlich ist – so unwiderstehlich Club-Mate-Wodka auch sein mag (not) – die Gin-Tonic-Crazyness längst auch in den besser sortierten Bars Berlins angekommen. Und natürlich musste man auch da nur abwarten, bis die Hauptstadt ihren eigenen, ihren „Signature-Gin“ sozusagen, bekommt. Den hat sie jetzt. „Berlin Dry Gin“ heißt der, Marke „Berliner Brandstifter“, Schnapsmacher seit 2009. Der Chef Vincent Honrodt, Gründer, Werbefilmer und Kommunikationsspezialist fing eigentlich mit einem Korn an. Ja, Korn. Der Fusel.

Also: Meinen Sie, meine ich, sieht er freilich ganz anders: „Es gibt sehr guten Korn, er hat nur so ein schlechtes Image in Deutschland“, sagt Honrodt. Seiner ist ein 7-fach gefilterter Premiumkorn nach einem hundert Jahre alten Rezept. Die Flaschen sind durchnummeriert und stehen tatsächlich im Hyatt und dem Waldorf Astoria, im King Size und dem Kater Holzig im Regal. Jetzt also ein Premium Berlin-Gin. Was so Berlinisch an dem sei? Alles quasi, sagt Honrodt, der Schnapsdirektor. Die Zutaten kommen von einem Biohof in Gatow am Wannsee, Hagebutten, Holunder, Malve und Gurke. Und außerdem ist in ein Quäntchen Waldmeisterdestillat drin. Und wenn das nicht very Berlin ist, was bitte dann. When you live in Berlin, you drink it „mit Schuss“.

Tapas im Sra Bua von Tim Raue in BerlinSra Bua

Und: When you live in Berlin, you eat Tim Raue. Früher oder später, wirklich, passiert das einfach. Der Mann ist dieser Tage nämlich schier unvermeidlich. Da hat er doch vor ein paar Wochen erst, wir hatten es angekündigt, das Sra Bua im Hinterteil, pardon, dem Südteil des Adlon, eröffnet. Ein „casual restaurant“, wie es heißt. Thailändisch-japanisch, vor allem die Currys und die Tapas-artigen Vorspeisevariationen sollen sich lohnen, verspricht der Zwei-Sterne-Mann. Bei der Eröffnung gab es beides für die 400 geladenen Gäste zum Probieren (Foto links) – leider ein bisschen wenig davon, aber geschmacklich gab es rein gar nichts zu meckern. Küchenchef Daniel Lengsfeld, ein ehemaliger Sous-Chef von Raue, zwischenzeitlich im Katz Orange gewesen, scheint da einen ganz prima Job zu machen.

 

La Soupe Populaire

Mitte Mai hat der Raue nun nachgelegt: Im Prenzlauer Berg, knapp oberhalb der Torstraße hat er auf dem Gelände der ehemaligen Bötzow-Brauerei das „La Soupe Populaire“ eröffnet. Ein Mischding, einerseits Galerie, andererseits Quasi-Dauer-Pop-Up-Restaurant. An gerade mal drei Tagen die Woche gibt es zu der aktuell ausgestellten Kunst passendes Essen. Volksküchen-inspiriert, wie der Meister sagt, Sachen wie Königsberger Klopse und Berliner Leber mit Äpfel. Und Schmorgurke. (siehe: Tim Raue eröffnet "Volksküche") Auch was für die Tumblr: When you live in Berlin, you eat Schmorgurke. Vom Zwei-Sternekoch.

Mehr über Nina Anika Klotz und ihre Arbeit unter www.misstype.de

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