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Das teuerste Dinner der Welt Iss und trink dich arm - mit Almas, Wagyu und Krug

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Unsichtbar

Nela Steinbeisser ist Finanzprofi und passionierter Foodie. Ihre Welt besteht aus Blue Chips und Black Truffles. Für beides hat sie ein ausgesprochen talentiertes Händchen. Die gelernte Börsenhändlerin schreibt über Geld und Genuss. Zwei Begriffe, die bei den meisten Menschen tiefes Wohlbehagen auslösen und seit Jahrhunderten die Welt bewegen.

Das teuerste Dinner der Welt ist kein ‚La grande bouffe‘ wie Marco Ferreris berühmte Orgie aus den 70er und auch keine Aneinanderreihung von kostspieligen Superlativen. Das teuerste Dinner der Welt ist schlicht das Maß, das man kennen muss, um Gutes von weniger Gutem unterscheiden zu können.

Auf dem Tisch stehen Fleur de Sel de Guérande, knackige Salzkristalle, geerntet in den Salinen der Bretagne. Eine vollkommene Vereinigung aus Meerwasser, Sonne und leichten Wind. Tellicherry, aromatisch unvergleichlicher Pfeffer aus dem gebirgigen Hinterland der indischen Malabarküste. Beurre Bordier, leicht gesalzene Rohmilchbutter, liebevoll geknetet in einer kleinen Fromagerie in St.Malo. Und eine Flasche Chateldon aus der Auvergne, weiches, leicht süßliches Mineralwasser, das schon Ludwig XIV. schätzte.

Als Aperitif wird Champagner gereicht: Krug Clos du Mesnil aus dem großen Champagnerjahr 1990. Die Trauben dieses außergewöhnlichen Blanc de Blancs wachsen in der berühmten Grand-Cru-Gemeinde Le Mesnil sur Oger. Der Weinberg, umgeben von einer verwitterten Klostermauer, gilt als die beste Einzellage in der Champagne. Der Krug Clos Du Mesnil 1990 – von dem es in Deutschland nur wenige hundert Flaschen gibt -  wird zur Zeit mit 1.500 Euro gehandelt. kaviar

Das Amuse-Bouche ist ein Tartar vom besten Lachs der Welt, dem Balik ‚Tsar Nikolaj‘, geräuchert in der Schweiz nach einem alten Rezept aus der Zarenzeit. Gekrönt wird das Tartar mit einer Haube Almas-Kaviar aus dem Iran. Vergessen sie Ossietra, Beluga oder Sevruga! Almas ist das Maß in der Welt des Kaviars! Der hellgelbe Rogen stammt von den seltenen Al­binostören. Das Kilo in der 24karätigen Golddose kostet 40.000 Euro.

Gänseleber mit weißen Trüffeln aus dem Piemont gönnen wir uns als Vorspeise. Der Alba-Trüffel – er riecht intensiv nach Knoblauch, Schalotten und Weichkäse - wächst zwi­schen den Hügeln Turins und der Küste Liguriens. Er wird wie sein kongenialer Vetter aus dem Perigord von Jahr zu Jahr seltener und teurer. Vor gut einem Jahrhundert wurden in Italien und Frankreich noch 1000 Tonnen ausgegraben, heute finden die Trüffelhunde selten mehr als 100 Tonnen.

Entsprechend die Entwicklung der Preise. Für ein Kilo des ‚wei­ßen Goldes’ aus dem Piemont wird in den europäischen Feinkostläden bis zu 6.000 Euro ge­zahlt, in Asien sogar das Dop­pelte und mehr. Erst kürzlich hat ein Feinschmecker aus Hongkong für 125.000 Euro drei Alba-Trüffel ersteigert. Die Knollen brachten gerade mal anderthalb Kilo auf die Waage.

Zwischendurch ein kleines Häufchen Istrianische Nudeln mit dunkelroten Safran aus dem indischen Pampur. Safran wird aus der lilafarbenen Blüte des crocus sativus gewonnen und zählt zu den kostbarsten Gewürzen der internationalen Küche. Für 100 Gramm der Qualität ‚Mogra Cream‘ muss man über 1.000 Euro anlegen.

Wagyu-Steak steht als Hauptgang auf der Karte. Die Wagyus sind schwarze Rinder aus dem japanischen Kobe. Sie werden zu Lebzeiten gepampert wie Hollywood-Stars. Täglich werden die ‚wertvollen’ Körperpartien mit einem Spezialhand­schuh massiert und mit Sake besprüht.

Reines, unverfälschtes Wagyu-Fleisch wird nur in Japan angeboten. Das Kilo für 400 Euro. Die paar tausend Rinder, die in Kobe aufgezogen werden, reichen gerade mal, um den inländischen Bedarf zu decken. Wagyu, das in den USA, in Australien oder inzwischen auch in Europa auf den Teller kommt, stammt aus 13.000 Spermaproben, die vor zehn  Jahren zu wissenschaftlichen Zwecken in die USA exportiert wurden.

Japan sind diese ‚Raubkopien’ ein Dorn im Auge. Die Regierung will künftig die Züchter aus Kobe besser vor der Konkurrenz aus dem Aus­land schützen. Das Landwirtschaftsministerium in Tokio plant, die Gene des Wagyu patentieren zu lassen.

Das Dessert ist die Ausnahme von der Regel. Das Beste muss nicht immer teuer sein. Khao Niau Mamuang, thailändische Mango mit Sticky Reis, kostet auf den Straßen Bangkoks 60 Baht, umgerechnet 1.20 Euro. Es geht natürlich auch teurer! Zum Beispiel in Blattgold eingelegte Nüsse. Aber, wir wollen nicht übertreiben!

champagnerNun zu den Getränken. Nach dem Champagner wird - zur Gänseleber und zu den Nudeln – ein Weißwein serviert. Ich empfehle einen Le Montrachet Grand Cru 1978. Dieser große Chardonnay aus der Bourgogne wurde 2005 bei Christie’s in London für 8.100 Euro die Flasche ersteigert. Seine Farbe ist von einem lebhaften Gold und sein Aroma erinnert an Haselnuss und Honig.

Das Steak begleitet ein Chateau Mouton Rothschild 1945. Dieser Tropfen gehört zu den unvergesslichen Erlebnissen im Leben eines Weinkenners. Sein Etikett ziert eine Kreation des Malers Philippe Julian: ein V für “Victoire” als Erinnerung an das Jahr der Befreiung. 21.500 Euro kostet der Geniestreich des Kellermeisters Raoul Blondin.

Und als Digestif ein Louis XIII de Rémy Martin. Ein winziger Schluck entfesselt den Duft von Narzissen, Jasmin, roten Portwein, Curry, Safran, Passionsfrucht, Sandelholz, Veilchen, Eukalyptus und Ananas.  Mit diesem mahagonifarbenen Cognac feierte Winston Churchill 1951 seinen Wahlsieg. Die Flasche aus Bakkarat-Kristall liegt bei 11.000 Euro.

Als Gast unseres außergewöhnlichen Dinners spendiere ich ihnen Warren Buffet, die Börsen-Legende aus Omaha. Seine Anwesenheit - und die damit verbundenen Börsentipps - kosten eine halbe Million Euro. Diese Summe wurde jüngst bei einer Auktion auf e-bay erzielt. Ein kalifornischer Multi-Millionär hatte Buffet als Dinner-Gast ersteigert.

Vorausgesetzt sie halten sich beim Kaviar ein wenig zurück, so liegt die Rechnung bei 560.000 Euro. Übernehmen sie das Trinkgeld? 10 Prozent sollte es schon sein.


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