Kolumnen

Rohstoffe mit Geschmack Stilles Glück in einer kleinen Bar in Trastevere

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Unsichtbar

Nela Steinbeisser ist Finanzprofi und passionierter Foodie. Ihre Welt besteht aus Blue Chips und Black Truffles. Für beides hat sie ein ausgesprochen talentiertes Händchen. Die gelernte Börsenhändlerin schreibt über Geld und Genuss. Zwei Begriffe, die bei den meisten Menschen tiefes Wohlbehagen auslösen und seit Jahrhunderten die Welt bewegen.

Ein Espresso auf der Terrasse einer kleinen Bar in Rom. Der Duft von warmen Panini in der Luft. Morgensonne im Gesicht. Zeitung auf dem Tisch. Schuhe ohne Strümpfe. Blick auf Santa Maria in Trastevere.

Das ist Glückseligkeit. In solchen Momenten wird man – wie das Sprichwort sagt - keine Sekunde älter.

Genussmenschen wie dieser glückliche Espressotrinker haben einen Boom ohnegleichen entfacht. Sie haben das ‚italienische Gefühl‘ in alle Welt exportiert. Espresso, Cappuccino, Caffe latte, Doppio, Lungo, Ristretto. Was auch immer man im Stehen oder im Sitzen an Kaffee zu sich nehmen kann, ist auf einem bemerkenswerten Siegeszug rund um den Globus.

An den Straßenecken der Metropolen schießen Coffee-Shops wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Aus einem Gefühl ist ein Trend geworden! Allein die Deutschen konsumieren jedes Jahr über 500.000 Tonnen Kaffee. Das entspricht 148 Liter pro Kopf. In Österreich – wo bekanntlich die Kaffeehauskultur erfunden wurde – sind es sogar 162 Liter pro Kopf.

Marktführer Starbucks, der jährlich fast zehn Milliarden Dollar umsetzt, will in diesem Jahr 300 neue Filialen weltweit eröffnen. Ziel der Expansion ist vor allem der Ferne Osten. Denn immer mehr Asiaten wechseln vom Teeblatt zur Kaffeebohne.

Kaffee wird in der Terminologie der Investmentbranche ‚soft commodity‘ genannt. Laut dem amerikanischen Wirtschaftswörterbuch “something useful that can be turned to commercial advantage”. Ein Produkt also, mit dem man Geld verdienen kann, viel Geld. Eine Ware, die an den Terminbörsen, vornehmlich am ‚Chicago Board of Trade‘ gehandelt wird.

Soft Commodities sind Rohstoffe mit Geschmack. Zu ihnen gehören Kaffee, Kakao, Zucker und gefrorenes Orangensaft-Konzentrat. Aber auch andere landwirtschaftliche Produkte wie Weizen, Mais, Sojabohnen, Baumwolle, Lebendrind oder mageres Schwein.

Die ‚weichen‘ Rohstoffe gelten in der Finanzbranche als ungehobene Schätze. Experten, wie der amerikanische Rohstoff-Guru Jim Rogers, erwarten nach dem Boom auf Rohöl, Industriemetallen und Gold einen Run auf landwirtschaftliche Produkte. „In den nächsten zehn Jahren werden in diesem Bereich Goldtaler vom Himmel regnen!“ Sein Optimismus gründet vor allem auf dem unstillbaren Rohstoffhunger der Schwellenländer. China zum Beispiel wird – so eine Studie der Weltbank – die Einfuhr von Nahrungsmitteln bis zum Jahr 2030 vervierfachen. Bereits heute ist das Reich der Mitte der weltweit größte Importeur von Sojabohnen und Baumwolle.

Ein Investment lohnt sich! In Zeiten der Krise waren die ‚weichen‘ Rohstoffe sogar ein Hort der Stabilität. Während der Deutsche Aktienindex in den vergangenen vier Jahren magere 1,01 Prozent zulegen konnte, gewann der S&P Agriculture Index, der die wichtigsten acht Agrarprodukte repräsentiert, stolze 34,09 Prozent.

chicagoHohe Nachfrage – geringes Angebot. So rechnet sich ein Investment in Soft Commodities. Gute Ernten sind Gift für Investoren. Sie drücken die Weltmarktpreise. Die ‚weichen‘ Rohstoffe brauchen – so zynisch das auch klingen mag – Bürgerkriege oder Hagelstürme. Die politischen Unruhen an der Elfenbeinküste treiben den Preis für Kakao, Frost in Florida läßt FCOJ (frozen concentrated orange juice) in die Höhe schnellen und Dürre in Kansas macht den Scheffel Weizen teurer.

Diese Unwägbarkeiten machen Soft Commodities so risikoreich. Selbst Profis werden von den Kapriolen der Märkte immer wieder eiskalt erwischt. Um so einen Crash zu vermeiden, gilt es, das Risiko zu streuen.  Investieren sie in einen breiten Index wie den ‚International Agriculture Commodity‘ der Wall Street-Legende Jim Rogers. Mit einem Basket-Zertifikat verteilen sie ihr Kapital auf 21 Agrargüter. Neben den gängigen Soft Commodities stecken sie ihr Geld auch in Reis, Palmöl, Wolle, Bauholz, Raps, Kautschuk, Azukiu Bohnen und Rohseide.

Und vom Gewinn fliegen sie nach Rom. Genießen stilles Glück in einer kleinen Bar in Trastevere. Und freuen sich, dass der Espresso schon wieder 50 Cent teurer geworden ist.

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