Kolumnen

Hummer und Currywurst Katharina Wackernagel und die "Busters" in Frankfurt

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Michael Tempel ist seit 30 Jahren für Reise- und Lifestyle-Magazine unterwegs. 2006 entwickelte er das "Gault Millau Magazin", das er mehr als zwei Jahre leitete. Von 2011 bis 2013 war er Chefredakteur der deutschen und österreichischen Ausgabe des Magazins "Falstaff". Sein Faible sind (kulinarische) Entdeckungen. Und die Menschen, die dahinter stehen.

Das war schon sehr speziell, was die Schauspielerin Katharina Wackernagel in Frankfurt zusammen mit drei Mitgliedern der Ska-Band „The Busters“ im Rahmen der „Davidoff Tour Gastronomique“ ablieferte. Im Restaurant „Français“ im Frankfurter Hof servierte Sternekoch und Triathlet Patrick Bittner eine faszinierende Kombination aus Elsässer Gänseleber, grünem Spargel, Mandeln und Holundereis, dazu gab’s klassisch einen süßen Monbazillac 2005 von Château le Thibaut. Und weil Erbse offenbar momentan ein Trend ist, durfte sie beim bretonischen Hummer mit Schweinebauch und Cassis nicht fehlen. Der elegante mineralische 2011er Sauvignon Blanc von Elena Walch aus Südtirol hatte da ein wenig Mühe, sich zu behaupten.

Katharina Wackernagel ließ es vor dem geangelten Kabeljau mit Auster(!), Limone und Brunnenkresse samt Fritz Kellers bekannt erstklassigem 2009er Weißburgunder Oberbergner Bassgeige noch dezent angehen mit dem Kishon-Klassiker „Die Einladung.“ Jene Geschichte, in der Kishon mit der besten Ehefrau von allen bei den Spiegels zum Dinner geladen ist, beide ausgehungert eintreffen, sich auf Snacks von Salzstangen über Käsewürfel bis Oliven und die Gastgeber in tiefe Verzweiflung stürzen – bis sich endlich die Tür zum Esszimmer öffnet und den Blick freigibt auf ein überbordendes Büfett.

Sternekoch Patrick Bittner und Schauspielerin Katharina WackernagelAuch nach dem Hereford Rind (geschmort und gebraten) mit Kohlrabi, Macisblüte und Dim Sum, begleitet von einem ausgezeichneten 2008er Château Liversan aus dem Haut-Médoc, blieb die Schauspielerin noch vergleichsweise harmlos. „Rheine“ von Horst Evers schildert in einem Restaurant höchst amüsant die Reaktion einer kinderfreundlichen Kellnerin auf die Erziehungsmaßnahmen eines Vaters in Form einer gewaltigen Portion Nudeln, die jener aufgrund der eigenen Argumentation gezwungen ist, aufzuessen. Dass die übrigen Gäste Wetten abschließen, ob er es schafft oder nicht, ist schon komisch genug. Aber als die letzte Nudel geschluckt ist – verlangt er lässig nach der Dessertkarte.

Nach Bittners Dessert – „Manjari“-Schokolade mit Himbeere, Malz (!) und Fromage blanc – kam dann Wackernagels musikalische Nachspeise, begleitet von drei Musikern der Ska-Band „The Busters“. Nicht ganz ohne Ironie verpasste die Schauspielerin den Davidoff-Gästen – der Kalauer sei gestattet – die eine oder andere Zigarre. In Form des Grönemeyer-Kultsongs »Die Currywurst« etwa (… kommse vonne schicht / wat Schönres gibt et nich / als wie ne Currywurst …) und das Stück „Vergammelte Speisen“ von den „Prinzen“ hatte in diesem Umfeld durchaus etwas von Sarkasmus, wenn es heißt: „… sitzt du in Hessen und würgst dich beim Essen, oder winken in Schwaben aus der Leberwurst Schaben, dann empfiehlt dir die Gesundheitspolizei: Vergammelte Speisen zu überhöhten Preisen sind zurückzuweisen…“

Kreation von Sternekoch Patrick BittnerDiese Collagen aus Texten und Songs, virtuos begleitet von Hardy Appich (Trompete), Robert Solomon (Posaune/Tuba) und Alex Lützke (Gitarre), sind Teil eines Programms, das Katharina Wackernagel mit den „Busters“ entwickelt hat. Die Band nämlich hat vor vier Jahren die Musik zum Wackernagel-Film-Musical „Die letzte Lüge“ geschrieben. Da die Schauspielerin leidenschaftlich gern kocht, und zwar für möglichst viele Gäste, übernahm sie bei der Produktion auch gleich das Catering – daraus wiederum entstand das Kochbuch „Der richtige Dreh in der Küche.“ Mit Rezepten, was insofern ungewöhnlich ist, da die Schauspielerin nie nach Rezept kocht. Ausprobiert hat sie so gut wie alles, außer Schweinebraten. Denn kann sie nicht. Muss ja auch nicht sein. Currywurst kann sie. So oder so.

Mehr über Michael Tempel und seine Arbeit unter www.text-tempel.de

(Fotos: © P.Stadler/Davidoff Tour Gastronomique)

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