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Grand Prix kulinarisch Es lafert beim 75. Geburtstag von Jaguar

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Michael Tempel

Michael Tempel ist Journalist und Autor. Seit 25 Jahren ist er für Tageszeitungen, Reise- und Lifestyle-Magazine unterwegs. 2006 entwickelte er das GaultMillau Magazin, das er mehr als zwei Jahre als Chefredakteur leitete. Seit 2011 ist er für die deutsche Ausgabe des Magazins Falstaff verantwortlich. Sein Faible sind (kulinarische) Entdeckungen. Und die Menschen, die dahinter stehen.

Bekanntlich hat es in der Gourmetwelt für Diskussionen gesorgt, als Johann Lafer im aktuellen Gault Millau ein paar Pünktchen verlor, weil er angeblich zu wenig am heimischen Herd auf der Stromburg steht. Nun hat aber auch diese Medaille eine Kehrseite – in den Genuss der Kochkunst des prominenten Steirers kamen auf diese Weise 400 Gäste, die beim Oldtimer Grand Prix am Nürburgring den 75. Geburtstag der britischen Traditionsmarke Jaguar feierten. Zwar ohne klassisches Feuerwerk – dafür aber mit einem kulinarischen.

Für die erste Explosion sorgte ein Campari-Orange-Raviolo, bei dem man auf gar keinen Fall den Mund auch nur einen Millimeter geöffnet lassen durfte (man soll eben nicht mit vollem Mund reden!), wollte man die Reinigungskosten der eigenen Klamotten sowie die der Umstehenden im überschaubaren Rahmen halten. Gebeizter Coho-Lachs mit Avocado, gelierte Kalbstafelspitz mit Wasabi-Kürbiskern-Creme und Beeftatar mit Limonen-Crème-fraîche und Kapern brachten die Geschmacksnerven weiter auf Touren wie die Fahrer der ehrwürdigen Rennwagen ihre alten Motoren.

Die Sandwich-Etagèren – Gurken-Minze, Lachs-Pfeffer, Schinken-Senf und Schrimp-Frühlingslauch – waren zwar eine nette Begleitung zum Bollinger Spezial Cuvée oder dem Urbani Cuvée 2006 bzw. dem Grassnitzberg Grauburgunder 2008 von Erich und Walter Polz aus der Steiermark, Kenner warteten jedoch lieber auf das Flying Buffet. Denn das Vitello Tonnato im Glas und das Karotten-Kardamom-Süppchen mit Buttermilchschaum und Jakobsmuschelsaté brachten diese überaus entspannte Party ebenso weiter in Stimmung wie Mike Kraus (Sohn von „German Elvis" Peter) auf der Bühne und DJ John Munich und Präsidentensohn Pierre Sarkozy an den Plattentellern.

jaguar rennaufstellung nuerburgringAuf jenen aus Porzellan rockten geeiste Cantaloupe-Melone auf Portweingelee mit Vulcanoschinken-Grissini, Pfifferlings-Cappuccino mit Thymianhaube, confierter Saibling auf Blumenkohlcreme und Wildkräuterpesto, glasierte Stubenkükenbrust auf Apfel-Wasabi-Gurkensalat und gebratenes Kalbsfilet auf Brunnenkresse-Risotto mit Kräutersaitlingen und Meerrettichschaum. Nicht zu vergessen das Mini-Wiener-Schnitzel mit Kartoffel-Specksalat. In solcher Frische und Vielfalt für derart viele Personen, dass Catering wohl künftig nur noch in Lafer-Einheiten gemessen wird.

Schauspielernachwuchs wie Florian Bartholomäi, Ludwig Trepte, Tom Schilling, Vinzenz Kiefer und Stephan Luca (gewann das Promi-Rennen) waren davon ebenso angetan wie gestandene Filmschaffende wie Christian Wolff, Max Tidof und Francis Fulton-Smith. Wie sich das für ein ordentliches Feuerwerk gehört, zielt alles aufs große Finale – bei Lafer das Dessert: frische Erdbeer-Grütze mit Tahiti-Vanille-Espuma, Passionsfrucht-Mousse mit Bitterschokoladennetz, weißes Schokoladen-Délice mit flüssigem Himbeerkern, Lafers berühmter Mohrenkopf, Kaiserschmarrn mit Vanilleeis und Vanille-Aprikosen, Milchrahmstrudel mit Zwetschgenröster und eine Eisbombe im Flaggendesign. Großer Sport.

Tags darauf verpflegte der Unermüdliche aus Guldental gleich wieder 600 Gäste im Festzelt und auf der Terrasse bei einem sonnigen Renntag – zum Frühstück gab's unter anderem frische Waffeln mit Blaubeeren, hausgemachte Blut- und Leberwürstchen auf Kartoffel-Zwiebelpüree sowie Eierspeisen mit krossem Speck oder Schinken. Pech für alle, die sich bereits im Hotel versorgt hatten.

Beim Mittagsbüfett stellte sich wie bei Schauspieler Roman Kniezka lediglich die Frage, ob man sich vor oder nach der Fahrt mit dem Renntaxi über die Nordschleife bedienen sollte – der Jaguar XF Diesel entpuppte sich nämlich als wahres Geschoß, pilotiert von Profi Dieter Heckl. In meinem Fall drängten sich gebratene Riesengarnelen mit Mango und Frühlingsrauch, Roastbeef vom steirischen Almochsen mit Remouladensauce und gebratene Lammkrone mit Rosmarinkartoffeln und Bohnen in den 73 Kurven zwischen Carraciola-Karussell, Hoher Acht und Fuchsröhre so zusammen, dass anschließend noch Platz blieb für Talfelspitz mit Gemüsebouillon und Meerrettichsauce sowie ein wenig Mandelschaum im Glas mit Amaretto-Kirschen und dreierlei Schokoladenmousse.

Das einzig Verwunderliche am Büfett war allerdings die Barbecue-Sauce für die Schweinefilets in der Pfefferkruste mit Kräuterpüree und Ingwer-Karotten – sie war nicht mit dem Namen des Caterers gebranded. Aber das wird schon noch. Wahrscheinlich im nächsten Jahr, wenn der E-Type seinen 50. Geburtstag feiert.


Mehr über Michael Tempel und seine Arbeit unter www.text-tempel.de

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