
Michael Tempel ist Journalist und Autor. Seit 25 Jahren ist er für Tageszeitungen, Reise- und Lifestyle-Magazine unterwegs. 2006 entwickelte er das GaultMillau Magazin, das er mehr als zwei Jahre als Chefredakteur leitete. Seit 2011 ist er für die deutsche Ausgabe des Magazins Falstaff verantwortlich. Sein Faible sind (kulinarische) Entdeckungen. Und die Menschen, die dahinter stehen.
Bei einer Oldtimer-Rallye kommt es nicht auf die Zeit an, sondern auf den Spaß. Und auf die Autos. Und wenn sie wie die erste Stromburg-Classic auf Johann Lafers Stammsitz im Naheland gestartet wird, auch aufs Kulinarische. Was der Ferrari Dino 246 GT Baujahr 1969 persönlich nahm und im Kurpark von Bad Kreuznach zu Kochen begann.
Mehr als 50 Oldtimer waren gemeldet, Opel schickte neben dem originalen Feuerroten Spielmobil (ein 1962er Opel Blitz) auch das Gläser Cabriolet (ein Super 6 aus dem Jahr 1937), das der Schauspieler Vinzenz Kiefer pilotierte. Sein Beifahrer und Manager Wolfgang Fritsch interpretierte das Roadbook wohl nicht ganz korrekt, so dass die beiden zwischendurch einen Abstecher auf die Autobahn machten.
Schauspieler Michael Mendl saß am Volant eines Opel Rekord Baujahr 1966, der einst Sepp Herberger gehörte. Am ersten Tag der Rallye schnitt er noch recht gut ab, am zweiten Tag hatte er mich als Beifahrer und das war’s dann. Es lag zweifellos an den Sonderprüfungen. Die erste ließen wir aus, weil wir einmal falsch abgebogen waren. Beim „Schnaps-Riechen“ (man musste aus den sechs Sorten, die auf dem Fragebogen zur Wahl standen, die drei richtigen ankreuzen) machten wir wieder Boden gut, obwohl ich geschworen hätte, dass die Mirabelle eine Williams-Birne war. (Kleiner Tipp, falls Sie auch einmal in so eine Situation kommen sollten: Einen Tropfen des Brands auf den Handflächen verreiben und dann riechen – das hilft.)
Die Weine – Riesling, Grauburgunder und Silvaner – waren recht eindeutig herauszufinden, obwohl der Silvaner auch als Chardonnay hätte durchgehen können. Bei der Joghurt-Probe hatten wir aufgrund der Fehlinformation eines Mitbewerbers nur zwei Treffer, dafür punkteten wir beim Käse wieder voll. Es hat aber alles nichts genutzt, abends bei der Gala im Rosensaal der Stromburg stellte sich heraus, dass wir doch recht abgeschlagen im hinteren Feld gelandet waren.
Johann Lafer, der tagsüber auf einem von Jaguar zur Verfügung gestellten S-Type Baujahr 1965 manchmal mit der Gangschaltung so seine Schwierigkeiten hatte, erwies sich bei den vier Gängen des Menüs wie gewohnt souverän. Das Duett vom Ingelheimer Spargel mit gebratener Riesengarnele, glacierter Jakobsmuschel und Walnussvinaigrette war sowohl von Texturen, Temperaturen und Aromen höchst harmonisch. Das mediterran gebratene Skreifilet mit Tomaten-Basilikumsugo und Zitronengrassabayone kam auf den Punkt gegart auf den Tisch, ebenso wie das wunderbare Zweierlei vom steirischen Almochsen mit glacierten Ingwer-Karotten, Brunnenkressecreme und Kartoffel-Spitzkohlstrudel.
Zum Dessert gab’s ein Törtchen von weißer Valrhonaschokolade mit flüssigem Himbeerkren und Passionsfruchtsorbet, ein zweifellos würdiger Abschluss. Die begleitenden Weine: eine 2009er Cuvée Stella trocken aus der Magnum vom Weingut Korrell Johanneshof, ein sehr schöner mineralisch-fruchtige Sauvignon blanc (2009) vom Weingut Dr. Hubert Gänz, eine ARS Vini Rotwein Cuvée trocken von Korell Johanneshof und eine 2004 Wallhausen Johannisberg Riesling Auslese vom Weingut Prinz Salm.
Die Rallye wurde vom örtlichen Rotary-Club veranstaltet, und zwar zugunsten der „German Rotary Volunteer Doctors“, dessen Vorsitzender Jörg Bahr vor dem Hauptgang einen höchst eindrucksvollen Bericht über den Einsatz der Ärzte in Ghana und Nepal gab. Die Kluft zwischen denen, die nichts haben, und den anderen wird an solchen Abenden besonders deutlich. Mehr ist darüber zu erfahren unter www.rotary-volunteer-doctors.de und www.stromburg-classic.de.
Mehr über Michael Tempel und seine Arbeit unter www.text-tempel.de











