Kolumnen

Rote Liste kulinarisch Sushi, Kaviar und Schildkrötensuppe

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Michael Tempel ist seit 30 Jahren für Reise- und Lifestyle-Magazine unterwegs. 2006 entwickelte er das "Gault Millau Magazin", das er mehr als zwei Jahre leitete. Von 2011 bis 2013 war er Chefredakteur der deutschen und österreichischen Ausgabe des Magazins "Falstaff". Sein Faible sind (kulinarische) Entdeckungen. Und die Menschen, die dahinter stehen.

Das dürfen Sie sich ruhig auf der Zunge zergehen lassen: Während einer Auktion auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji ging ein 230 Kilo schweren Blauflossen-Thunfisch für 121.000 Euro über den Tisch. 526 Euro pro Kilo einer vom Aussterben bedrohten Tierart. Bezahlt von einem Tokioter Luxusrestaurant und einem Sushibarketten-Betreiber aus Hongkong.

Dass die Meere seit Jahren überfischt werden und die vereinbarten Fangquoten erstens viel zu hoch und zweitens nicht eingehalten werden, ist hinlänglich bekannt. Dennoch stehen Kabeljau, Thunfisch, Schwertfisch, Steinbutt und Seezunge auf nahezu jeder Speisekarte und werden gedankenlos geordert.

Da wird dann ein „Baby-Steinbutt“ als Delikatesse vermarktet, weil es die erwachsenen Tiere fast nicht mehr gibt – Kindsmord auf dem Teller.Zuchtfarmen sind ebenfalls keine Lösung, weil sie mit Riesenmengen Fischen gefüttert werden müssen und die beigegebene Chemie zur Vermeidung von Krankheiten das Wasser verseucht.

Anders Beispiel: Stör und Kaviar. Belugastör, Ossietra-Stör und Sternhausen (Sevruga-Stör), größtenteils nur noch im Schwarzen-, im Kaspischen- und im Asowschen-Meer zu finden, zählen allesamt zu den gefährdeten Tierarten. Fangquoten werden aus wirtschaftlichen Notlagen der Fischer heraus schlichtweg ignoriert. Aus denselben Gründen werden nach wie vor Suppenschildkröten und Bastardschildkröten gejagt und sind wie die Echte Karettschildkröte, deren Hornschilder zu begehrten Schmuckstücken verarbeitet werden, wohl bald von diesem Planeten verschwunden. 

fischer auf hoher seeSeltenheitswert hat inzwischen auch der Europäische Hummer, vor Helgoland gehen pro Jahr nur noch etwa 500 Exemplare in die Fangkörbe – in den 1920er-Jahren waren es noch 80.000. An der Ostküste Nordamerikas hingegen zählt der Atlantische Hummer zur Alltagskost wie hierzulande Bratkartoffeln.

Auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten in Deutschland stehen unter anderen der Aal, Karpfen, Elritze, Barbe, Lachs und der Huchen. Letzterer heißt auch Donaulachs, ist vom Aussterben bedroht und nur noch über die Zucht zu erhalten.

Bei der Planung des nächsten Urlaubs möglicherweise interessant: Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat im September 2009 festgestellt, dass 16 Prozent aller Säugetiere im Mittelmeerraum gebietsweise vom Aussterben bedroht sind. Besonders gefährdet: Hirsche, Rehe, Kaninchen und Hasen. Da bleibt dann nur eines: Öfter mal Gemüse essen.

Mehr über Michael Tempel und seine Arbeit unter www.text-tempel.de

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