Wein-Insider

Qualität beginnt im Weinberg Biologisch-dynamischer Anbau und modernste Kellertechnik in Südtirol

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Alois Lageder

Seit seinen ersten Erlebnissen im Gemüsegarten der Mutter ist die biologisch-dynamische Landwirtschaft eine Herzens-angelegenheit von Alois Lageder. Bereits als Kind lernte er das überlieferte Wissen der Bauern kennen, machte Erfahrungen mit Homöopathie und Kraft-plätzen in der Natur. Im Alter von 25 Jahren, nach Wirtschaftsstudium und Weinausbildung, übernimmt Lageder das Weingut.

Lange Zeit führten die Südtiroler Weine ein Schattendasein auf dem internationalen Markt. Bedingt durch den Massenkonsum hatte ihr Image stark gelitten. Es galt, etwas Neues, Besseres zu schaffen und hochwertige Weine zu erzeugen – indem wir auf uralte, teilweise in Vergessenheit geratene Methoden zurückgriffen und diese mit modernster Kellertechnik kombinierten. Diese Maßnahmen sind Teil der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise und dienen der Erneuerung der Landwirtschaft. Die Vorgehensweise beruht auf den Grundsätzen der Anthroposophie, einem Welt- und Menschenbild, das der österreichische Philosoph Rudolf Steiner um die Jahrhundertwende begründete.

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft ist die konsequenteste Form des natürlichen Arbeitens im Weinberg. Sie respektiert die Gesetze der Ganzheitlichkeit in der Natur und bringt die Rebe, die Erde und den Kosmos in ihr natürliches Gleichgewicht. Der Weinberg wird dabei nicht als Monokultur betrachtet, sondern als landwirtschaftlicher Betrieb, in dem möglichst viele unterschiedliche Pflanzen und Tiere integriert werden. Dadurch entstehen Bedingungen wie in der freien Natur. Alle beteiligten Organismen bilden ein komplexes Ökosystem.

Weinberg von Lageder in SüdtirolZentraler Aspekt des Pflanzenschutzes im Weinberg ist, die Rebstöcke vorbeugend zu stärken und in Balance zu bringen, damit sie auf Pilz- und Schädlingsattacken, Hitze- und Trockenstress besser vorbereitet sind. Böden und Pflanzen werden konsequent mit biologisch-dynamischen Präparaten und homöopathischen Tees behandelt. Zugunsten eines gleichmäßigen Wachstums gesunder, reifer Trauben wird auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, Herbizide und Kunstdünger vollends verzichtet. Alle Bemühungen gehen dahin, die Abwehr- und Selbstheilungskräfte der Weinstöcke so zu stärken, dass der Winzer nur bei akuter Gefahr – z.B. bei Mehltau-Befall – eingreifen muss. In solch kritischen Momenten werden die Reben mit Elementen, welche die Natur zur Verfügung stellt, behandelt. Dazu gehören beispielsweise Netz- und Stäubeschwefel sowie Kupfer. Diese wirken anders als systemische Pflanzenschutzmittel nur an der Oberfläche und dringen nicht in die Pflanze ein.

Die wichtigste Grundlage der biologisch-dynamischen Anbauweise ist der lebendige Boden. Um die Bodenqualität in den Weingärten durch Humusaufbau zu verbessern, werden viel Zeit und Arbeit aufgewendet. Aus Kuhdung gewonnener Hornmist oder Kompost aus Rindermist verbessern die Bodengesundheit und –fruchtbarkeit. Auch organische Materialien wie Stroh, Blätter oder Rebholz, die mit biologisch-dynamischen Präparaten aus Schafgarbe, Eichenrinde, Brennnessel, Löwenzahn und Baldrian angereichert werden, tragen dazu bei, die Böden zu optimieren. Die so gesteigerte Bodenaktivität sorgt dafür, dass der Weinbergboden Feuchtigkeit besser halten und dann wieder an die Pflanzen abgeben kann. Dadurch ist er nicht nur vor Erosion geschützt, auch eine künstliche Bewässerung wird obsolet. Schafe im WeinbergZusätzlich tragen Einsaaten zu einem ausgeglichenen, natürlichen Nährstoff- und Mineralienhaushalt des Bodens bei. Zwischen den Rebzeilen werden Pflanzen von der Ackerbohne über Rot- und Weißklee bis hin zu Gelbsenf und Raps eingesät, die teilweise tief wurzeln und dadurch den Boden lockern. In der Erde entsteht so Lebensraum für Mikroorganismen, die Wurzeln des Weinstocks werden besser belüftet, der Boden atmet und kann mehr Wasser speichern. Der Effekt: Wenn die Wurzeln der Reben auch weiter unten noch genug Sauerstoff vorfinden, dringen sie in tiefere Lagen und nehmen dort Mineralstoffe auf. Diese wirken sich positiv auf die Extraktwerte und das Aromen-Bukett der Weine aus.

Blühende Einsaaten bieten natürliche Lebensräume für lichtbringende Insekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Ameisen. Das vermehrte Aufkommen von Insekten zieht auch zahlreiche Vögel an, was eine wachsende Biodiversität zur Folge hat. In unseren Hanglagen Römigberg, Löwengang und Hirschprunn werden für mehrere Arbeiten Pferde eingesetzt. In den Wintermonaten weiden Schafe in den Weinbergen rund um Margreid, die nicht nur mit ihren Klauen den Boden massieren und den Wuchs der Einsaaten aktivieren, sondern auch besten Dung für den Humusaufbau liefern.

Bereits seit den späten 1980er Jahren wurde bei uns im Weingut eine naturnahe, umweltschonende, integrierte Weingartenwirtschaft gepflegt. So gelang in einem organischen Prozess die Umstellung des landwirtschaftlichen Betriebes mit rund 50 Hektar Weinbergen auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Nach Ablauf der vorgeschriebenen dreijährigen Umstellungsphase wurde das Weingut 2007 von Demeter als biologisch-dynamisch arbeitender landwirtschaftlicher Betrieb zertifiziert. Der Umstieg auf biologisch-dynamische Bewirtschaftung verbindet sowohl nachhaltige als auch qualitative Interessen und setzt ein Verantwortungsbewusstsein des teilnehmenden Unternehmens voraus.

Weinkeller Alois LagederSeit der Umstellung auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise können wir in unseren eigenen Weingärten beobachten, dass die Reben straffer und aufrechter wachsen, sie sind insgesamt kräftiger und elastischer. Die Trauben wachsen gleichmäßiger und reifen früher als solche aus konventionellem Anbau. Sie haben kleinere Beeren und weisen damit ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Beerensamen und Fruchtfleisch auf. Zudem erreichen sie ihre physiologische Reife und ihre Zuckerreife gleichzeitig, wodurch alkoholärmere und besonders aromareiche Weine gewonnen werden. Auch der Gehalt an Polyphenolen – für Traube, Wein und den menschlichen Organismus wertvolle Inhaltsstoffe – ist wesentlich höher.

Auch im Weinkeller haben wir uns den Demeter-Richtlinien angepasst: Im Jahr 1995 entstand ein neues, konsequent nach nachhaltigen, ökologischen und baubiologischen Kriterien geplantes Kellereigebäude. Für eine möglichst schonende Behandlung des Leseguts, des Mosts und des Weins greifen wir hier auf zwei Grundprinzipien der Natur zurück: die Schwerkraft und den Kreis. Das Lesegut kann dank des Höhenunterschieds im 17 Meter tiefen Kelterturm weitestgehend ohne den Einsatz von Pumpen oder anderer mechanischer Beförderungsmittel gekeltert werden. Die Gärbehälter sind in einem Kreis um den Punkt herum angeordnet, an dem die Trauben nach unten gleiten, wodurch sich lange Förderwege erübrigen. So wird eine qualitätserhaltende, ökonomische Arbeitsweise in jedem Stadium der Weinbereitung gewährleistet. Nach der Vergärung reifen die Weine in den historischen Kellerräumen von Tòr Löwengang und Casòn Hirschprunn zu ihrer Vollendung.

Unsere ersten von Demeter zertifizierten Weine kamen ab 2008 auf den Markt. Seit 2010 unterscheiden wir zwischen zwei Linien: Erzeugnisse aus Trauben der familieneigenen Weinberge bilden die Linie Tenutæ Lageder. Die Trauben der Linie Alois Lageder stammen zum Teil aus den familieneigenen biologisch-dynamisch bewirtschafteten Weinbergen, zum Teil von Vertragswinzern mit denen uns eine jahrzehntelange Zusammenarbeit verbindet. Es ist unser Ziel, alle Vertragswinzer nach und nach zur Umstellung auf biologischen oder biologisch-dynamischen Anbau zu motivieren – erste Erfolge können wir hier bereits verzeichnen. Das wachsende Bekenntnis zur biologisch-dynamischen Bewirtschaftung von Seiten der Vertragswinzer beweisen die ersten drei zertifizierten Weine, welche zur Linie Alois Lageder zählen: Apollonia Pinot Noir sowie Beta Delta Pinot Grigio - Chardonnay und Beta Delta Lagrein - Merlot.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage von Alois Lageder.


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