Kolumnen

Bordeaux-Jahrgang 2008 Ein Klassiker mit frischer Säure und mürben Tanninen

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Aurélien Blanc

Aurélien Blanc (33) ist Sommelier im neu gestalteten Gourmet-Restaurant „Pavillon" des 5-Sterne-Hotels "Baur au Lac" in Zürich. Der gebürtige Franzose aus dem Burgund ist zudem als Berater für „Baur au Lac Wein" tätig. In der hotel-eigenen Weinhand-lung lagern rund 600.000 Flaschen, darunter  Raritäten wie der 1967er d'Yquem.

Für uns Einkäufer beginnt jedes Jahr im Frühling eine spannende Zeit, da die Bordeaux-Winzer die Ernte des letzten Jahres zur Subskription anbieten. Hier bietet sich die einmalige Chance, den Wein vorab (ab 12 Flaschen in der Holzkiste) zu günstigeren Preisen und in ausgewählten Größen, wie zum Beispiel der Magnumflasche, einzukaufen. Geliefert werden die Weine dann, nachdem sie ausgereift sind. Die Primeur-Kampagne läuft je nach Absatz bis in den Sommer.

Der 2008 Bordeaux trumpft mit einer frischen Säure und sehr mürben Tanninen auf, dazu kommt eine große Ausgewogenheit und Harmonie. Die Qualität dürfte in etwa dem des sehr guten Jahrgangs 2006 entsprechen - wenn nicht sogar noch einen Hauch besser. Die Erwartungen in den Jahrgang 2008 waren nicht groß. Sicherlich erinnern Sie sich an den schlechten Sommer hierzulande - und aus dem Bordelais wurde nicht viel anderes gemeldet. Die Überraschung bei den Verkostungen im Bordeaux war dann aber umso größer: Die 2008er sind keine Sumo-Ringer, sondern eher klassische Bordeaux. Sie haben viel mit den 1988er gemeinsam. Aber Dank 20 Jahren mehr Know-How, Technik und Ehrgeiz hinkt dieser Vergleich und ich sehe diesen Jahrgang eindeutig reifer als den 1988er. Die Lagerfähigkeit sollte gut bis sehr gut sein, ohne das man sehr lange auf die 2008er warten muss.

Bordeauxpreise 40 % unter Vorjahr

Dieses Jahr ist ein ganz besonders erfreuliches Jahr für den Konsumenten: die Bordeauxpreise liegen etwa 40% unter den Vorjahren. Die Finanzkrise wirkt sich auf die Preise aus, die in den letzten acht Jahren durch wilde Spekulationen in die Höhe getrieben wurden. Viele Märkte sind nicht mehr bereit, die Preisspirale der Châteaux mitzuspielen und zu überhöhten Preisen einzukaufen. Die Lager sind voll mit Weinen der Jahre 2006 und 2007 und teilweise auch mit 2005.

Bordeaux Liebhaber sollten sich diese einmalige Chance nicht entgehen lassen. Es handelt sich zwar nicht um einen Jahrhundertwein, aber um einen empfehlenswerten Jahrgang, an dem Sie in vielen Jahren noch Freude haben werden. Ich empfehle beim Weinkauf auch stets, für die Zukunft zu planen: von guten Jahrgängen kaufe ich gerne gleich mehrerer Flaschen, die sich einfach lagern und später vielleicht gut wieder verkaufen lassen. In England ist es zum Beispiel Tradition, bei der Geburt eines Kindes Vintage Port zu kaufen, der dann anlässlich eines runden Geburtstages getrunken wird oder als Wertanlage dient. Als Weinliebhaber empfehle ich das Gleiche mit einem besonderen Bordeaux.

tournedosSaftige Merlots aus St. Emilion

Zu meinen Lieblingsweinen gehören die Bordeaux aus der Appelation St. Emilion; schöne und saftige Merlots mit homogener Qualität und durchwegs feingliedrigen Tanninen.

Hierzu empfehle ich klassische Tournedos Rossini, ein zart gebratenes Rindsfilet, verfeinert mit einer sautierten Gänseleber und gehobeltem schwarzem Trüffel. Der Geschmack des saftigen Fleisches harmoniert exzellent mit dem samtigen, eleganten St. Emilion. Ein Stück Frankreich im "Baur au Lac".

Lagerung: Feucht, kühl, ruhig und geruchsneutral

Bordeaux Weine sollte man in einem feuchten Keller lagern, am Besten in einem Gewölbekeller mit Sand oder Kieselsteinen am Boden, um die Feuchtigkeit im Raum zu regulieren. Zement zum Beispiel ist lufttundurchlässig und würde eine natürliche Regulierung nicht ermöglichen. Auch die richtige Temperatur ist bei der Lagerung entscheidend: wird der Wein zu warm gelagert, kann er an Qualität und Struktur verlieren. Optimal ist eine konstante Temperatur von 12 Grad. Bei großen Temperaturschwankungen empfehle ich eine Klimaanlage. Auch das Lagern in einem Raum mit Ölheizung ist nicht optimal: die Luft kann durch die Heizung sehr warm und trocken werden.

Die Flaschen müssen unbedingt auf einem ruhigen Untergrund gelagert werden, so dass der Wein nicht durch Erschütterungen gestört wird. Zu guter Letzt sollte der Raum gut belüftet sein und nur neutral riechende Gegenstände zusammen mit dem Wein gelagert werden; Zwiebeln, Lauch oder auch Autoreifen können den Geschmack des Weins nachhaltig beeinflussen und im Extremfall sogar ruinieren.

Für Wohnungen ohne feuchten Keller empfehle ich einen Spezialschrank, in dem Wärme und Feuchtigkeit per Strom reguliert wird. Solche Weinschränke gibt es in den unterschiedlichsten Größen, Ausstattungen und Preiskategorien.

Mein Motto ist: „Der perfekte Wein wurde noch nicht erfunden, aber die Zukunft ist vielversprechend, was große Weine und hervorragende Jahrgänge betrifft."

Mehr über den Bordeaux-Jahrgang 2008 lesen Sie hier.

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