Abu Dhabi und Deutschland haben so manches gemeinsam: Daimler und Air Berlin zum Beispiel, den ewig kriselnden Zweitligisten 1860 München, die Deutsche Bahn, die im Emirat ein gigantisches Schienennetz plant, Sebastian Vettel, der erste Sieger auf dem Yas Marina Circuit, und neuerdings auch Juan Amador aus Mannheim. Der Drei-Sterne-Koch eröffnete zusammen mit einer regionalen Hotelgruppe sein erstes Restaurant am Golf, das „Amador Restaurant & Cellar“. Kein Zufall. Abu Dhabi arbeitet seit Jahren an seiner Reputation als Gourmet-Destination.
Prominentes Beispiel dieses Marketing-Konzepts ist die jährlich stattfindende Gourmet Abu Dhabi. Das Food-Festival vereinigte in diesem Jahr 26 Michelin-Sterne. An den Golf kamen unter anderen Bruno Menard, der im berühmten Domaine d’Orvault in Nantes gelernt hat und heute „Neo-Klassiker“ im L’osier in Tokio kocht. Aus dem kalifornischen Nappa-Valley reiste Claire Clark an. Die Britin ist die Chefin der Patisserie im Drei-Sterne-Haus French Laundry. Und aus Paris flog William Ledeuil ein. Der Chef der Ze Kitchen Galerie wurde einst vom Gault Millau zum "Koch des Jahres" gekürt.
18 Meisterköche aus zwölf Ländern zeigten auf über 50 Events ihr Können. Es gab hochkarätige Kochkurse, Themendinner wie der „Käseabend“ mit dem Schweizer Fernsehkoch Denis Martin und Chateaudinner, auf denen Winzer ihre Spitzenweine vorstellten. Die „Gourmet Abu Dhabi“ geht übrigens auf eine Initiative von Peter Knipp zurück. Der Berliner hat Erfahrung mit solchen Mega-Events: er organisiert seit 13 Jahren den World Gourmet Summit in Singapur.
Einer der Hot Spots während der Gourmet Abu Dhabi war das Shangri-La Qaryat Al Beri (Foto rechts). Das Fünf-Sterne-Haus liegt auf dem Festland, etwa 15 Autominuten vom Stadtzentrum entfernt. Festland? Das größte der sieben Emirate ist ein Archipel, vor dessen Küste über 200 Inseln liegen. Auf einer dieser Inseln steht die weit sichtbare Skyline von Abu Dhabi City. Verbunden ist sie mit dem Festland durch die Mussafa-Brücke und die al-Maqtaa-Brücke. Und genau dazwischen, an einem privaten Sandstrand, empfängt das Shangri-La seine Gäste.
Die Manager des Hotels haben frühzeitig auf den kulinarischen Trend gesetzt. Die Gäste der Luxusherberge mit ihren 214 Zimmern und Suiten haben die Wahl zwischen fünf Restaurants: das Shang Palace serviert traditionelle kantonesische Küche, das Hoi An bietet vietnamesische Köstlichkeiten, das Sofra bld ist ein quirliger arabischer Markt, auf dem regionale und internationale Speisen zubereitet werden, das schicke Pearls & Caviar (Foto links unten) liegt direkt an der Wasserlinie und kredenzt eine Mischung aus „Middle East and Mediterranean“ und das Bord Eau schließlich widmet sich unter der Leitung von Alexandre Pernetta der Haute Cuisine.
Gastkoch im Bord Eau war zur Gourmet Abu Dhabi niemand Geringerer als der Drei-Sterne-Chef Bruno Ménard aus Tokio. Seine Stippvisite gipfelte in einem üppigen Foie Gras-Dinner. Der Meister zeigte gekonnt, womit man das umstrittene französische Kulturgut kombinieren kann. Eingeleitet wurde das Menü von geräuchertem Aal und Foie Gras Confit. Anschließend wurde eine süße Zwiebelsuppe mit Foie Gras Törtchen serviert. Gefolgt von Jacobsmuscheln mit einem Eierstich aus Foie Gras. Abgerundet wurde das Ganze von einem Rote Beete-Risotto und gegrillten Foie Gras. Gereicht wurden dazu übrigens deutsche Weine, darunter Rieslinge von Dr. Loosen und Reichsrat von Buhl.
Nicht weniger begabt in der Kunst der Haute Cuisine ist der ständige Küchenchef im Bord Eau, Alexandre Pernetta. Der 45jährige wurde erst kürzlich vom Magazin „Whats On“ zum Chef des Jahres in Abu Dhabi gewählt. Nicht die erste Auszeichnung. Bereits in seiner Heimat wurde er mit dem Titel „Meilleur Jeune Chef de France“
geehrt. Zu seinen Lehrern zählen sein Landsmann Eric Gonzalez, Chef im Le Cube in Montreal, und der Schweizer Sternekoch Patrick Zimmermann, Chef im Auberge de l'Onde in Vevey.
Alexandre Pernetta (Foto rechts) weihte GOURMET GLOBE vor Ort in seine Kochkunst ein. Auf dem Programm dieser kleinen exklusiven Kochrunde in der Küche des Bord Eau standen "Scallops with Apple Butter and Remoulade Celery" und "Chocolate Souffle". Die Originalrezepte sind auf unserer Rezeptseite abrufbar.
Abu Dhabi ist – wie vieles am Golf – ein Experiment. Der Versuch aus den unzähligen Milliarden von Dollar, die das Erdöl in die Staatskasse spült, etwas Bleibendes zu schaffen bzw. zu erhalten. Viel Geld fließt dabei in den Tourismus – mit immer größerem Erfolg. 2011 hat die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate einen neuen Besucherrekord aufgestellt. Über 2.1 Millionen Menschen nächtigten in den Hotelbetten des Emirats. Besonders stark wuchs dabei das Interesse der deutschen Touristen. Im vergangenen Jahr reisten 68.077 Deutsche nach Abu Dhabi – plus 25 Prozent.
















