1981 forderte der größte Lebensmittel-Skandal Spaniens 750 Tote. Kriminelle Händler hatten Industrieöl als Olivenöl verkauft. Das vergällte Rapsöl, das für die Stahlherstellung bestimmt war, enthielt hochgiftige Substanzen. 25.000 Menschen wurden vergiftet. Die meisten von ihnen bleiben ihr Leben lang invalide.
1986 konfiszierte die italienische Anti-Fälschungseinheit NAS, die ‚Nucleo Anti Sofisticazioni', mehrere zehntausende Liter italienisches ‚Olio Extra Vergine'. Das angeblich hochwertige Olivenöl stammte tatsächlich aus der Türkei und war mit Unmengen von Haselnussöl gestreckt worden.
1991 verhaftetet die ‚Guardia di Finanza' einen führenden Olivenölproduzenten aus dem Süden Italiens. Er hatte etliche Schiffsladungen mit türkischem Haselnussöl als griechisches Olivenöl ausgezeichnet. Anschließend vermengte er die Brühe mit billigem Speiseöl aus Italien und verkaufte es als ‚Extra Vergine'.
2005 kamen Ermittler der italienischen Gesundheitspolizei, das ‚Comando Carabinieri per la Sanita, einer Verbrecherorganisation auf die Spur, die minderwertiges Rapsöl mit künstlichem Chlorophyll koloriert und mit synthetischen Duftstoffen aromatisiert hatte. Sie beschlagnahmten 100.000 Liter gefälschtes Olivenöl. Die Ware hätte auf dem freien Markt etwa sechs Millionen Euro eingebracht.
Diese Liste kann man endlos fortführen. Die Geschichte des Olivenöls ist eine Geschichte der Panscherei, des Etikettenschwindels, des Schmuggels und der Steuerhinterziehung. Von den alten Römern bis in die Neuzeit ist das Olivenöl das am häufigsten gefälschte Lebensmittel der Welt. Damals wie heute lassen sich mit dem grünen Öl der Götter extreme Gewinnspannen erzielen. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung zitiert einen Beamten vom Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) folgendermaßen: "Die Erträge mit gepanschtem Olivenöl sind ähnlich hoch wie beim Kokainhandel. Nur die Risiken sind viel geringer!"
Wie hoch die Gewinne mit gefälschtem Olivenöl tatsächlich sind, wagt niemand zu schätzen. Bedenkt man, das pro Jahr etwa 2.8 Milliarden Liter Olivenöl erzeugt werden, lässt sich der Profit der Öl-Gangster erahnen. Nicht zufällig gehören die sizilianische Mafia, die neapolitanische Camorra oder die kalabresische Ndrangheta zu den erfolgreichsten Unternehmen Italiens. Der Händlerverband ‚Confesercenti' schätzt ihren Umsatz auf 90 Milliarden Euro jährlich.
Ein nicht unerheblicher Teil davon wird mit gefälschten Lebensmitteln verdient. Die ehrenwerten Herren haben sich in der Nahrungsmittelindustrie festgesetzt. In den süditalienischen Städten sind ganze Branchen in ihren Händen. Mit Vorliebe werden hochwertige und damit teure Lebensmittel gefälscht: Kaffee, Wein, Büffelmozzarella, Fisch und Olivenöl. Die dunklen Geschäfte werden ihnen von den Konsumenten leicht gemacht. Bei den meisten sind die Geschmacksknospen eher rudimentär ausgeprägt.
Neben den Aktivitäten des organisierten Verbrechens gibt es beim Olivenöl auch noch die ‚legalen Fälschungen'. Falsifikate also, die sich geschickt im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen bewegen. Voraussetzung für diese Machenschaften sind Gesetze, die bis ins Unkenntliche verwässert wurden. Dafür haben die Lobbyisten der Olivenöl-Multis in den vergangenen Jahren erfolgreich gesorgt! Von Novelle zu Novelle wurden die Kriterien für hochwertiges Olivenöl immer weiter nach unten geschraubt.
Hauptziel der Einflüsterer in Rom und Brüssel war und ist die höchste Qualität ‚Extra Vergine'. „Wären die strengen Gesetze, die Anfang der neunziger Jahre formuliert wurden, heute noch in Kraft", konstatiert die Schweizer Zeitschrift ‚Merum', „dann müsste der überwiegende Teil der Markenöle auf das Attribut ‚Extra Vergine' verzichten!" Die gesetzliche Bandbreite ist inzwischen so großzügig, dass sich viele minderwertige Öle ‚Extra Vergine' nennen dürfen. Höchstens zehn Prozent des im Mittelmeerraum erzeugten Olivenöls erfüllt dagegen, nach Ansicht von Experten, den hohen Anspruch der einst unbefleckten Güteklasse.
Auf das Etikett ‚Extra Vergine' ist also nur bedingt Verlass. Es sagt zu häufig nichts über die Qualität des Öls aus. Wie aber erkennt man gutes Olivenöl? An Geschmack, Farbe, Konsistenz, Duft, Aroma und Charakter! Wer sich ein Urteil aus Mangel an Erfahrung nicht zutraut, sollte sich an den Feinkosthandel wenden. Ein kundiger Händler kann über den Produzenten des Öls detailliert Auskunft geben. Es sollte eine Mühle sein, die Olivenöl in überschaubaren Mengen herstellt.
Ein weiteres Kriterium ist der Preis. Qualität muss zwar nicht automatisch teuer sein! Wer aber glaubt ein erstklassiges Öl für 1,99 Euro kaufen zu können, der will betrogen werden.
Das teuerste Dinner der Welt ist kein ‚La grande bouffe‘ wie Marco Ferriris berühmte Orgie aus den 70er und auch keine Aneinanderreihung von kostspieligen Superlativen. Das teuerste Dinner der Welt ist schlicht das Maß, das man kennen muss, um Gutes von weniger Gutem unterscheiden zu können.
Auf dem Tisch stehen Fleur de Sel de Guérande, knackige Salzkristalle, geerntet in den Salinen der Bretagne. Eine vollkommene Vereinigung aus Meerwasser, Sonne und leichten Wind. Tellicherry, aromatisch unvergleichlicher Pfeffer aus dem gebirgigen Hinterland der indischen Malabarküste. Beurre Bordier, leicht gesalzene Rohmilchbutter, liebevoll geknetet in einer kleinen Fromagerie in St.Malo. Und eine Flasche Chateldon aus der Auvergne, weiches, leicht süßliches Mineralwasser, das schon Ludwig XIV. schätzte.
Als Aperitif wird Champagner gereicht: Krug Clos du Mesnil aus dem großen Champagnerjahr 1990. Die Trauben dieses außergewöhnlichen Blanc de Blancs wachsen in der berühmten Grand-Cru-Gemeinde Le Mesnil sur Oger. Der Weinberg, umgeben von einer verwitterten Klostermauer, gilt als die beste Einzellage in der Champagne. Der Krug Clos Du Mesnil 1990 – von dem es in Deutschland nur wenige hundert Flaschen gibt - wird zur Zeit mit 500 Euro gehandelt.
Das Amuse-Bouche ist ein Tartar vom besten Lachs der Welt, dem Balik ‚Tsar Nikolaj‘, geräuchert in der Schweiz nach einem alten Rezept aus der Zarenzeit. Gekrönt wird das Tartar mit einer Haube Almas-Kaviar aus dem Iran. Vergessen sie Ossietra, Beluga oder Sevruga! Almas ist das Maß in der Welt des Kaviars! Der hellgelbe Rogen stammt von den seltenen Albinostören. Das Kilo in der 24karätigen Golddose kostet 40.000 Euro.
Gänseleber mit weißen Trüffeln aus dem Piemont gönnen wir uns als Vorspeise. Der Alba-Trüffel – er riecht intensiv nach Knoblauch, Schalotten und Weichkäse - wächst zwischen den Hügeln Turins und der Küste Liguriens. Er wird wie sein kongenialer Vetter aus dem Perigord von Jahr zu Jahr seltener und teurer. Vor gut einem Jahrhundert wurden in Italien und Frankreich noch 1000 Tonnen ausgegraben, heute finden die Trüffelhunde selten mehr als 100 Tonnen.
Entsprechend die Entwicklung der Preise. Für ein Kilo des ‚weißen Goldes’ aus dem Piemont wird in den europäischen Feinkostläden bis zu 6.000 Euro gezahlt, in Asien sogar das Doppelte und mehr. Erst kürzlich hat ein Feinschmecker aus Hongkong für 125.000 Euro drei Alba-Trüffel ersteigert. Die Knollen brachten gerade mal anderthalb Kilo auf die Waage.
Zwischendurch ein kleines Häufchen Istrianische Nudeln mit dunkelroten Safran aus dem indischen Pampur. Safran wird aus der lilafarbenen Blüte des crocus sativus gewonnen und zählt zu den kostbarsten Gewürzen der internationalen Küche. Für 100 Gramm der Qualität ‚Mogra Cream‘ muss man über 1.000 Euro anlegen.
Wagyu-Steak steht als Hauptgang auf der Karte. Die Wagyus sind schwarze Rinder aus dem japanischen Kobe. Sie werden zu Lebzeiten gepampert wie Hollywood-Stars. Täglich werden die ‚wertvollen’ Körperpartien mit einem Spezialhandschuh massiert und mit Sake besprüht.
Reines, unverfälschtes Wagyu-Fleisch wird nur in Japan angeboten. Das Kilo für 400 Euro. Die paar tausend Rinder, die in Kobe aufgezogen werden, reichen gerade mal, um den inländischen Bedarf zu decken. Wagyu, das in den USA, in Australien oder inzwischen auch in Europa auf den Teller kommt, stammt aus 13.000 Spermaproben, die vor zehn Jahren zu wissenschaftlichen Zwecken in die USA exportiert wurden.
Japan sind diese ‚Raubkopien’ ein Dorn im Auge. Die Regierung will künftig die Züchter aus Kobe besser vor der Konkurrenz aus dem Ausland schützen. Das Landwirtschaftsministerium in Tokio plant, die Gene des Wagyu patentieren zu lassen.
Das Dessert ist die Ausnahme von der Regel. Das Beste muss nicht immer teuer sein. Khao Niau Mamuang, thailändische Mango mit Sticky Reis, kostet auf den Straßen Bangkoks 60 Baht, umgerechnet 1.20 Euro. Es geht natürlich auch teurer! Zum Beispiel in Blattgold eingelegte Nüsse. Aber, wir wollen nicht übertreiben!
Nun zu den Getränken. Nach dem Champagner wird - zur Gänseleber und zu den Nudeln – ein Weißwein serviert. Ich empfehle einen Le Montrachet Grand Cru 1978. Dieser große Chardonnay aus der Bourgogne wurde 2005 bei Christie’s in London für 8.100 Euro die Flasche ersteigert. Seine Farbe ist von einem lebhaften Gold und sein Aroma erinnert an Haselnuss und Honig.
Das Steak begleitet ein Chateau Mouton Rothschild 1945. Dieser Tropfen gehört zu den unvergesslichen Erlebnissen im Leben eines Weinkenners. Sein Etikett ziert eine Kreation des Malers Philippe Julian: ein V für “Victoire” als Erinnerung an das Jahr der Befreiung. 21.500 Euro kostet der Geniestreich des Kellermeisters Raoul Blondin.
Und als Digestif ein Louis XIII de Rémy Martin. Ein winziger Schluck entfesselt den Duft von Narzissen, Jasmin, roten Portwein, Curry, Safran, Passionsfrucht, Sandelholz, Veilchen, Eukalyptus und Ananas. Mit diesem mahagonifarbenen Cognac feierte Winston Churchill 1951 seinen Wahlsieg. Die Flasche aus Bakkarat-Kristall liegt bei 11.000 Euro.
Als Gast unseres außergewöhnlichen Dinners spendiere ich ihnen Warren Buffet, die Börsen-Legende aus Omaha. Seine Anwesenheit - und die damit verbundenen Börsentipps - kosten eine halbe Million Euro. Diese Summe wurde jüngst bei einer Auktion auf e-bay erzielt. Ein kalifornischer Multi-Millionär hatte Buffet als Dinner-Gast ersteigert.
Vorausgesetzt sie halten sich beim Kaviar ein wenig zurück, so liegt die Rechnung bei 560.000 Euro. Übernehmen sie das Trinkgeld? 10 Prozent sollte es schon sein.
Wie beginnt man eine Geschichte über Schokolade? Mit Jonny Depp und Juliette Binoche? Warum nicht! Ihr gemeinsamer Film ‚Chocolat‘ hat die Wiedergeburt der Schokolade kräftig angeschoben. Diese Komödie voller Witz und Weisheit zeigt, was der Genuss von Schokolade bewirken kann. Eine ganze französische Kleinstadt verfällt laut Drehbuch den verführerischen Pralinés der Vianne Rocher. Die kleinen, dunklen Köstlichkeiten wecken die verschütteten Sehnsüchte der Menschen. Sie fördern ihr Selbstbewusstsein und verleihen ihnen Sinnlichkeit.
Die Mischung aus Schokolade und Lebensfreude, die in ‚Chocolat‘ so zauberhaft dargestellt wird, ist keine Erfindung von Hollywood. Schokolade macht tatsächlich glücklich! Die Kakaobohne enthält viele Substanzen, die für Körper, Geist und Seele sehr wertvoll sind. „Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle wertvollster Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt“, wusste schon der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt.
Kakao enthält Endorphin und PEA. Chemische Verbindungen, die das zentrale Nervensystem stimulieren und die natürlichen Opiate in unserem Körper anregen. Die Folge sind gute Laune, Gelassenheit und Euphorie. Würde man mehrere Kilogramm Schokolade essen, könnte man sogar die Wirkung eines Joints erreichen.
Darüberhinaus weist Kakao Theobromin auf. Dieser Stoff findet sich auch in den Früchten des Kolabaums und des Matestrauchs. Er kann in hoher Dosis Rauschzustände auslösen. Wie Koffein hält er wach und macht munter. Früher kauten die Indios Unmengen von Kolablättern, um die harte Arbeit auf den Feldern und in den Bergwerken zu ertragen. Die Kakaobohne hätte es auch getan.
Streng genommen ist Schokolade eigentlich ein Fall für die Drogenfahndung.
Die Schoko-Junkies beunruhigt nun eine Meldung, die erst nach mehrmaligen Lesen ihr ganzes erschreckendes Potential offenbart. „Für den Future auf Kakao im Endloskontrakt liegt enormer Kaufdruck vor“, schreibt ein unbekümmerter Analyst. „Die Lagerbestände nehmen ab. Der Widerstand bei 1.400 ist gefallen. Die Rally geht weiter!“
Übersetzt heißt das: die Kakaopreise explodieren! Schokolade wird immer teurer! Der Preis für Kakaobohnen hat an den weltweiten Terminbörsen seit Ende 2007 um 80 Prozent zugelegt. Die Tonne kostet inzwischen über 1.800 US-Dollar.
Neben den immer wieder aufflammenden Unruhen an der Elfenbeinküste und temporären Wetter-Eskapaden liegt das vor allem an der deutlich gestiegenen Nachfrage in Europa. In der alten Welt ist Schokolade ‚in‘ wie nie! In Deutschland – so meldet die Süßwarenindustrie – ist die Kakaovermahlung in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Einzig die Wirtschaftskrise sorgt zur Stunde für eine leichte Delle. Der ‚Jahrhundertkoch‘ Eckart Witzigmann vergleicht diesen Boom mit der kulinarischen Aufbruchsstimmung in den 70er Jahren.
Protagonisten dieser Renaissance sind die jungen Wilden der Schokoladenszene. Sie scheinen sich - dank einer täglichen Dosis dunkler Schokolade - im permanenten Rauschzustand zu befinden. Selten trifft man Handwerker, die mit einer derartigen Begeisterung über das eigene Produkt sprechen. „Spiegelt euch in ihr. Hört den reinen Klang. Atmet ihre Aromen“, formuliert ein Produzent aus Italien. Und sein Kollege aus Belgien dichtet: „Eine Ur-Energie betört die Sinne. Würze und Sünde, Linien und Kurven verschmelzen ineinander“.
Diese ‚neuen‘ Schokoladen-Macher lehren den Etablierten das Fürchten. Sie erheben ihr Produkt zum Kult. Indem sie es radikal herabbrechen auf die Urstoffe der Natur. Auf die Substanzen, mit denen die Azteken-Könige einst den ‚Trank der Götter‘ anrührten. Wie die Schöpfer großer Weine jonglieren sie mit Lagen, Sorten und Ernten.
Im Mittelpunkt steht dabei die Kakaobohne. Mit ihr steht und fällt die Qualität einer Tafel Schokolade. In ihr sollen, so heißt es, über eintausend verschiedene Aromen schlummern. Die Edelste unter ihnen ist die Criollo! Sie kommt bei der Herstellung der dunklen Bitterschokolade zum Einsatz. Ihr Aroma erinnert an Karamell, Waldbeeren und Tabak. Zudem, so schwärmen Experten, hat sie wenig Säure und einen überaus milden Geschmack.
In ihr lauern die ‚berauschenden‘ Inhaltsstoffe in dichter Fülle. Criollo ist eine Droge mit hohem Abhängigkeitspotential! Feindbild für jeden Therapeuten. „A Criollo a day keeps the Psychiatrist away!“ müsste es eigentlich heißen.
Serena Sutcliffe könnte einem Harry-Potter-Film entstiegen sein. Mit ihrem weiß-blonden Haar, ihrem hageren Gesicht, ihrer langen hakenförmigen Nase, ihren blitzgescheiten Augen und ihrem freundlichen Wesen wäre sie die Idealbesetzung für eine etwas verschrobene Professorin an der Zauberschule Hogwarts. Dekan Dumbledore würde sich glücklich schätzen, sie willkommen zu heißen.
Doch Serena Sutcliffe hat bereits einen Job! Sie ist eine höchst angesehene Weinexpertin und leitet seit 16 Jahren das ‚International Wine Department‘ von Sotheby's in der New Bond Street im feinen Mayfair. In London und in New York versteigert sie in schöner Regelmäßigkeit die edlesten Tropfen der Welt. Über 30 Millionen Flaschen hat sie in ihrer Karriere unter den Hammer gebracht. Ein einträgliches Geschäft! Das ehrwürdige Sotheby setzte im vergangenen Jahr über 27 Millionen Euro mit Wein um.
Sutcliffes schärfster Konkurrent sitzt einen Steinwurf entfernt in der King Street im noch feineren St. James’s. Michael Broadbent ist der Gründer der Weinabteilung von Christie’s. Auch er hätte in Hollywood Erfolge gefeiert. Er ist die makellose Verkörperung des englischen Butlers. Dinstinguierte Haltung, reserviertes Lächeln, perfekte Kleidung, diskeretes Auftreten. Die Rolle des Butlers Stevens in James Ivorys Meisterwerk „Was vom Tage übrig blieb“ scheint für ihn wie geschaffen. Nun ja, Anthony Hopkins war bekanntlich schneller.
Und das ist auch gut so! Denn Hopkins hat Stevens brillant gespielt und Broadbent ist als Weinkenner unersetzlich. In seinen kleinen roten „Tasting Notes“, Bestseller auf dem angelsächsischen Buchmarkt, finden sich 85.000 Einträge über Weinverkostungen. Eine einzigartiges Zeugnis von Erfahrung, Wissen und Geschichte. Broadbent ist seit über 50 Jahren im Weinhandel tätig und gilt als Elder Statesman der Branche. Christie’s verdankt ihm die Spitzenposition. 2006 ersteigerten die Kunden des Hauses Bouteillen für 47 Millionen Euro.
Sutcliffe und Broadbent sind die Protagonisten in einem Stück, das seit Jahren auf dem Spielplan steht und Umsatzrekorde bricht. Wie auf dem Kunstmarkt steigen die Preise auch auf dem Weinmarkt ins Unersättliche. Der Grund für diese nicht enden wollende Hausse ist unter anderen in Asien und Rußland zu finden. Wer dort Erfolg hat, will das auch zeigen. Ein Latour im Learjet, ein Sassicaia im Chalet oder ein Margaux auf der Yacht gehören in diesen Kreisen zum feinen Ton. Die neuen Milliardäre sind bereit für eine seltene Flasche den Gegenwert eines Penthouses auf den Tisch zu blättern.
Die explodierenden Preise locken natürlich auch Spekulanten an. Sie behandeln Weinflaschen wie Wertpapiere. Sie bilden Investmentfonds, schaffen Leitindizes, fabulieren über Performance und Assetklassen und treiben so die Preise weiter und weiter in die Höhe. Die großen Weine sind längst eine attraktive Geldanlage. Der ‚Liv-Ex 100 Index‘, der Dow Jones des internationalen Weinmarktes, hat in den vergangenen zwölf Monaten satte 54 Prozent zugelegt.
Am begehrtesten sind auf Auktionen die Weine aus dem Bordeaux. Insbesondere die fünf ‚Premiers Crus‘ Lafite, Latour, Mouton-Rothschild, Margaux und Haut-Brion und große Namen wie Petrus, Cheval-Blanc oder Yquem. Hinzu kommen Lagen im Burgund, an der Rhone und in der Champagne. Zu den übermächtigen Franzosen gesellen sich die üblichen Toskaner wie Tignanello, Sassicaia oder Brunello. Und einige wenige Kalifornier.
Diese Weine sind die Top-Seller! Sie schmücken mit großer Beständigkeit die Rekordlisten von Christie’s und Sotheby. Sechs Magnum Mouton-Rothschild 1945 erzielten kürzlich in New York 252.000 Euro. Zwölf Flaschen Romanée Conti 1978 fanden für 138.000 Euro einen neuen Besitzer. Und eine einzige Flasche Lafite aus dem Jahre 1787 mit dem Initialen des US-Präsidenten Thomas Jefferson brachte 115.000 Euro.
Käufer zu finden ist in diesem Geschäft nicht schwer. Wer aber verkauft?
Es sind begüterte Erben wie die Baronesse Philippine de Rothschild, die sich in New York von einigen Bordeaux trennte. Die Fachwelt war wie elektrisiert. Schließlich kamen die Weine nicht aus irgendeinem Privatkeller, sondern direkt von der Quelle. Nach der Auktion war die Baronesse um 1,6 Millionen Euro reicher.
Es sind besessene Sammler wie der Musical-Komponist Andrew lloyd Webber. Eines Tages wurde er seiner Weinkeller in England und Südfrankreich überdrüssig, verkaufte alles und fing wieder von vorne an. Seine Sammlung kommentierte Serena Sutcliffe mit den Worten „Hätte Bacchus einen Weinkeller gehabt, das wäre er gewesen!“ Die Auktion erzielte 5,3 Millionen Euro.
Und es sind schrullige Privatiers wie Park B. Smith aus Connecticut, der 80.000 Flaschen der edelsten Weine besitzt. Der 75jährige Textilfabrikant sitzt manchmal stundenlang in seinem gigantischen Weinkeller und spricht mit seinen Flaschen. Sein Frau findet das in Ordnung, „as long as they don’t start talking back to you“.
Ein Espresso auf der Terrasse einer kleinen Bar in Rom. Der Duft von warmen Panini in der Luft. Morgensonne im Gesicht. Zeitung auf dem Tisch. Schuhe ohne Strümpfe. Blick auf Santa Maria in Trastevere.
Das ist Glückseligkeit. In solchen Momenten wird man – wie das Sprichwort sagt - keine Sekunde älter.
Genussmenschen wie dieser glückliche Espressotrinker haben einen Boom ohnegleichen entfacht. Sie haben das ‚italienische Gefühl‘ in alle Welt exportiert. Espresso, Cappuccino, Caffe latte, Doppio, Lungo, Ristretto. Was auch immer man im Stehen oder im Sitzen an Kaffee zu sich nehmen kann, ist auf einem bemerkenswerten Siegeszug rund um den Globus.
An den Straßenecken der Metropolen schießen Coffee-Shops wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Aus einem Gefühl ist ein Trend geworden! Allein die Deutschen konsumieren jedes Jahr über 500.000 Tonnen Kaffee. Das entspricht 148 Liter pro Kopf. In Österreich – wo bekanntlich die Kaffeehauskultur erfunden wurde – sind es sogar 162 Liter pro Kopf.
Marktführer Starbucks, der jährlich fast zehn Milliarden Dollar umsetzt, will in diesem Jahr 300 neue Filialen weltweit eröffnen. Ziel der Expansion ist vor allem der Ferne Osten. Denn immer mehr Asiaten wechseln vom Teeblatt zur Kaffeebohne.
Kaffee wird in der Terminologie der Investmentbranche ‚soft commodity‘ genannt. Laut dem amerikanischen Wirtschaftswörterbuch “something useful that can be turned to commercial advantage”. Ein Produkt also, mit dem man Geld verdienen kann, viel Geld. Eine Ware, die an den Terminbörsen, vornehmlich am ‚Chicago Board of Trade‘ gehandelt wird.
Soft Commodities sind Rohstoffe mit Geschmack. Zu ihnen gehören Kaffee, Kakao, Zucker und gefrorenes Orangensaft-Konzentrat. Aber auch andere landwirtschaftliche Produkte wie Weizen, Mais, Sojabohnen, Baumwolle, Lebendrind oder mageres Schwein.
Die ‚weichen‘ Rohstoffe gelten in der Finanzbranche als ungehobene Schätze. Experten, wie der amerikanische Rohstoff-Guru Jim Rogers, erwarten nach dem Boom auf Rohöl, Industriemetallen und Gold einen Run auf landwirtschaftliche Produkte. „In den nächsten zehn Jahren werden in diesem Bereich Goldtaler vom Himmel regnen!“ Sein Optimismus gründet vor allem auf dem unstillbaren Rohstoffhunger der Schwellenländer. China zum Beispiel wird – so eine Studie der Weltbank – die Einfuhr von Nahrungsmitteln bis zum Jahr 2030 vervierfachen. Bereits heute ist das Reich der Mitte der weltweit größte Importeur von Sojabohnen und Baumwolle.
Ein Investment lohnt sich! In Zeiten der Krise waren die ‚weichen‘ Rohstoffe sogar ein Hort der Stabilität. Während der Deutsche Aktienindex in den vergangenen vier Jahren magere 1,01 Prozent zulegen konnte, gewann der S&P Agriculture Index, der die wichtigsten acht Agrarprodukte repräsentiert, stolze 34,09 Prozent.
Hohe Nachfrage – geringes Angebot. So rechnet sich ein Investment in Soft Commodities. Gute Ernten sind Gift für Investoren. Sie drücken die Weltmarktpreise. Die ‚weichen‘ Rohstoffe brauchen – so zynisch das auch klingen mag – Bürgerkriege oder Hagelstürme. Die politischen Unruhen an der Elfenbeinküste treiben den Preis für Kakao, Frost in Florida läßt FCOJ (frozen concentrated orange juice) in die Höhe schnellen und Dürre in Kansas macht den Scheffel Weizen teurer.
Diese Unwägbarkeiten machen Soft Commodities so risikoreich. Selbst Profis werden von den Kapriolen der Märkte immer wieder eiskalt erwischt. Um so einen Crash zu vermeiden, gilt es, das Risiko zu streuen. Investieren sie in einen breiten Index wie den ‚International Agriculture Commodity‘ der Wall Street-Legende Jim Rogers. Mit einem Basket-Zertifikat verteilen sie ihr Kapital auf 21 Agrargüter. Neben den gängigen Soft Commodities stecken sie ihr Geld auch in Reis, Palmöl, Wolle, Bauholz, Raps, Kautschuk, Azukiu Bohnen und Rohseide.
Und vom Gewinn fliegen sie nach Rom. Genießen stilles Glück in einer kleinen Bar in Trastevere. Und freuen sich, dass der Espresso schon wieder 50 Cent teurer geworden ist.
Die Winery Heilbronn hat den diesjährigen Fachhandelspreis des Deutschen Weininstituts gewonnen. Die Auszeichnung wurde auf der internationalen Weinmesse ProWein in Düsseldorf erstmals vergeben. Den zweiten Platz belegte das Corveyer Weinhaus in Höxter, gefolgt von der Weinhandlung Molitor aus Recklinghausen.
Für die Winzer in der Champagne war 2011 das zweitbeste Jahr in der Geschichte: 322,9 Millionen Flaschen wurden verkauft. Sie erzielten einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Nur 2008 wurde weltweit mehr Champagner ausgeliefert. Auf dem deutschen Markt wurden 14,2 Mio. Flaschen abgesetzt. Ein Plus von 8,5 Prozent. Deutschland ist damit nach Großbritannien und den USA der drittgrößte Exportmarkt für die Champagne.
Die Zeitschrift „Weinwirtschaft“ hat den traditionsreichen Kölner Weinkeller zum "Weinhändler des Jahres" gekürt. Mit einem Umsatz von 4,3 Mio. Euro zählen die Kölner zu den umsatzstärksten deutschen Weinhandlungen. Sie verkaufen hauptsächlich Weine aus den großen klassischen Weinregionen Frankreichs. Zur "Weinabteilung des Jahres" wählte die Jury „Feine Kost“ in Düsseldorf. Der Feinkostmarkt ist einer von sieben Märkten des Genuss-Imperiums Zurheide.
Zuschlag für 37.000 Euro! Eine Nebukadnezar (15 Liter) des Masseto 2007 wurde von Sotheby’s in New York für diese Summe versteigert. Der neue Besitzer ist ein Sammler aus Asien. Der Jahrgang 2007 hat viele internationale Auszeichnungen erhalten. Der Wine Spectator zum Beispiel vergab 97 Punkte.
Über 162 Millionen Flaschen Cognac wurden 2011 weltweit getrunken. Neuer Rekord! Mit dem AOC-Branntwein wurde über zwei Milliarden Euro Umsatz erzielt.
Der VDP freut sich über drei neue Mitglieder: das Weingut Kranz aus Ilbesheim, das Weingut Markgraf von Baden aus Salem und die Weingut Heitlinger GmbH aus Östringen. Mit den Neulingen zählt der Bundesverband nun 196 Mitgliedsbetriebe.
Die österreichische Weinwirtschaft hat 2011 einen Exportrekord von 126 Mio. Euro (+2,6%) erwirtschaftet. Der Durchschnittspreis stieg aufgrund des Mengenrückgangs (-25%) auf 2,71 Euro pro Liter. Langfristig peilt Österreich Ausfuhren in Höhe von 200 Mio. Euro an.
Die erfolgreiche TV-Reihe "Weinwunder Deutschland" wird fortgesetzt. Die zweite Staffel startet am 7. Januar 2012 im Bayerischen Fernsehen. In sechs neuen Folgen präsentiert Stuart Pigott bekannte und weniger bekannte Weinlandschaften und unterhält sich mit den Winzern.
In Frankreich hat die Zahl der Winzer deutlich abgenommen. Laut Landwirtschaftsministerium ging die Zahl der Weingüter in den vergangenen zehn Jahren um ein Viertel auf 85.200 zurück. Die Anbaufläche verringerte sich im selben Zeitraum um elf Prozent auf 790.000 Hektar. Besonders betroffen war das Languedoc-Roussillon. Sie schrumpfte um fast ein Fünftel. Zwei Regionen verzeichneten dagegen mehr Weinberge: die Champagne und das Elsass.
In einer Blindverkostung aus über 180 Weinen wurde der trocken ausgebaute „Cellarius Lemberger 2009“ zum „Wein des Monats November“ gewählt. Der kräftige Rotwein der Weingärtner Dürrenzimmern-Stockheim eG passe, so die dehoga-Jury, perfekt zu saisonalen Gerichten wie Wild, Pfeffersteak oder würzigem Käse.
Das Deutsche Weininstitut hat erstmals Sonderpreise für den besten Weiß-, Grau- und Spätburgunder im Rahmen der DLG-Bundesweinprämierung vergeben. Ausgezeichnet wurde das Wein- und Sektgut Wilhelmshof aus der Pfalz für die Weißburgunder Spätlese 2010. Das Weingut Alfons Ziegler ebenfalls aus der Pfalz wurde für seine Grauburgunder Spätlese 2010 geehrt. Und mit ihrer Spätburgunder Auslese 2009 präsentierte die Winzergenossenschaft Sasbach am Kaiserstuhl den besten Spätburgunder.
Das „Perfetto“ am Kurfürstendamm in Berlin, das „Frischecenter Trabold“ in Würzburg und der „Globusmarkt Wachau“ in Markkleeberg bei Leipzig haben die besten Weinabteilungen in Deutschland. Das Deutsche Weininstitut und die Lebensmittel Zeitung haben diesen Wettbewerb erstmals ausgerichtet.
Wein.pur hat im Frühjahr 24 Tester in die Keller von 350 österreichischen Weingütern geschickt. Das Ergebnis dieser Verkostung war der Guide „Best of Austria 2011“, der im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. Nun kann man diesen Wein-Guide auch gratis im App-Store von Apple downloaden und per iPhone, iPad oder iPod Touch durch die Weinregionen Österreichs navigieren.
Den „Vini d’Italia“ gibt es künftig auch als App für das iPhone. Auf einen Blick finden sich alle 402 Spitzenweine, die 2011 mit der Höchstnote „tre bicchieri“ ausgezeichnet wurden. Außerdem: Porträts von 2.350 Winzern, Infos über Anbaugebiete und Rebsorten, Abspeichern der persönlichen Lieblingsweine und Tipps zum Thema „Essen und Wein“. Eine praktische Orientierungshilfe im Restaurant oder beim Weinkauf.
Sensationeller Fund: FAZ-Redakteur Dr. Daniel Deckers entdeckte in der Hessischen Landesbibliothek in Wiesbaden die älteste Weinlagenkarte der Welt und damit die älteste Wein-Klassifizierung der Welt. Die wiederentdeckte Rheingau-Karte löst damit die Mosel-Saar-Weinbaukarte für den Regierungsbezirk Trier von 1869 ab.
Die Bahn wird ab Juni in ihren Bordrestaurants nur noch deutsche Weine ausschenken. Zurzeit finden in Kooperation mit dem Deutschen Weininstitut die entsprechenden Verkostungen statt. Bei den Rotweinen – so will es die Bahn - müssen Portugieser, Dornfelder, Spätburgunder und St. Laurent dabei sein, bei den Weißweinen Grau- und Weißburgunder sowie Riesling. Durchschnittlich trinken die Gäste der Bord-Gastronomie pro Jahr 600.000 Flaschen Wein.
Das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST schickte 5 Champagner vom Discounter sowie 15 Marken- und Bio-Sekte ins Labor. Ergebnis: Mehr als die Hälfte erhielten die Bestnote. Acht Produkte bekamen jedoch nur ein „gut“, weil sie mehr Qualität vortäuschen als vorhanden ist. Sie sprudeln mit zu großen Mengen an Fremdkohlensäure. Das ist laut EU-Recht gesetzlich verboten. Verbraucher sollten daher unbedingt auf den Begriff „traditionelle Flaschengärung“ achten.
Die Campus Geisenheim GmbH und das International Wine Insti- tute bieten künftig gemeinsam Seminare für Gastronomie und Weinhandel an. Ziel der Koopera- tion ist es, innovative Fortbildung- en zu entwickeln und diese an den Standorten in Bad Neuenahr-Ahrweiler und in Geisenheim anzubieten.
Frauen, die ab und zu ein Glas Wein trinken, bleiben schlank. Das fanden Wissenschaftler in Boston heraus. Sie studierten die Trinkgewohnheiten von über 20.000 Frauen. Diejenigen, die täglich Wein tranken, nahmen weniger zu als diejenigen die Wasser oder Softdrinks zu sich nahmen. Erklärung: Der Körper wandelt Alkohol nicht in Fett um, sondern in Wärme.
Marchesi de' Frescobaldi expandiert ins Ausland. Das toskanische Wein- gut hat im berühmten Kaufhaus Harrods in London seine erste Filiale außerhalb Italiens eröffnet. Das 100 Quadratmeter große Restaurant bietet klassische italienische Küche und Frescobaldi- Weine wie den Tenuta dell' Ornellaia.