Bayern ist ab August rauchfrei. In einem Volksentscheid sprach sich die Mehrheit für ein striktes Rauchverbot aus. Die Initiatoren drehten die Uhr damit zurück. Nun gilt wieder die Regelung aus dem Jahr 2008: ein Rauchverbot ohne Ausnahmen. GOURMET GLOBE sprach mit Mario Samec (Foto), Marketingleiter der Gebr. Heinemann. Das Hamburger Unternehmen ist der deutsche Partner der Davidoff Group.
Welche Konsequenzen hat der strenge Nichtraucherschutz in Bayern für die Tabakbranche?
Das Thema Nichtraucherschutz begleitet uns ja nun schon seit einigen Jahren. In Bayern haben wir die dritte Version und das Chaos nimmt kein Ende. Am schwersten trifft diese völlig überzogene Version zuerst einmal das Gaststättengewerbe. Neben der Tatsache, dass die Raucher ihre Kneipenbesuche deutlich reduzieren werden, werden wohl auch viele Touristen weg bleiben und sich für liberalere Bundesländer als Urlaubsziel entscheiden.
Wir als Anbieter hochwertiger Zigarren haben festgestellt, dass in Zeiten der Rauchverbote nicht weniger geraucht wird, sondern günstiger. Ohne die Situation in Bayern schön reden zu wollen, haben Erfahrungen hier in Deutschland und auch weltweit gezeigt, dass die Menschen sich den Tabakgenuss nicht verbieten lassen. Der Ideenreichtum der freiheitsliebenden Mitbürger ist glücklicherweise sehr ausgeprägt und wird auch ab dem 1. August 2010 wieder zu neuen Lösungen führen.
Rechnen sie mit einem Abbau von Arbeitsplätzen?
Besonders schwierig wird es für die Betreiber von Gaststätten und Restaurants, die in gutem Glauben an das neue (alte) Nichtraucherschutzgesetz in Raucherräume, teure Luftaustauschanlagen und Lounges investiert haben. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie viele Gastronomen nun vor den Nichts stehen.
Befürchten sie einen Dominoeffekt in anderen Bundesländern?
Fast jede Landesregierung hat sich eindeutig von der harten Gangart in Bayern distanziert und deutlich gemacht, dass sie mit den aktuellen Gesetzen gute Erfahrungen gemacht haben. Die Bürger müssen ausführlich informiert werden, dass bereits die aktuellen – wenn auch sehr unterschiedlichen Nichtraucherschutzgesetze – den Schutz der Nichtraucher umfangreich berücksichtigen.
Der Zigarettenraucher geht künftig vor die Tür. Der Genussraucher dagegen wird heimatlos. Wird vor allem der Absatz von Zigarren und Pfeifentabak leiden?
Auch hier bin ich mir sicher, dass vor allem der Genussraucher sich seine Leidenschaft für feine Zigarren oder eine gute Pfeife nicht nehmen lassen wird. Ich kann nur sagen, dass wir bereits an interessanten Konzepten arbeiten und unsere Fachhändler, Gastronomen und auch die Konsumenten in Bayern nicht im Stich lassen werden.
Was wird aus den Davidoff-Lounges in Bayern?
Man stelle sich eine gemütliche Lounge mit Kamin vor, eingerichtet im englischen Landhausstil. In der Lounge sitzen einige Zigarrenliebhaber und plaudern Zigarre paffend über interessante Themen. Ich würde sogar soweit gehen, dass auch strikte Nichtraucher dieses Szenario als angenehm empfinden. Es ist schade, aber einige sehr schöne Davidoff Lounges werden wir wohl schließen müssen.
Sehen sie noch Schlupflöcher für die Bayerische Gastronomie?
Dazu möchte ich mich noch nicht äußern. Aber wie schon gesagt, Zigarrengenießer sind sehr kreativ und ausgeglichen und wir als Anbieter dieser Genussprodukte sind es auch.
Die Interessenvertretung der Tabakbranche ist stark zersplittert und damit nicht sehr effizient. Wird sich das nach dem verlorenen Volksentscheid ändern?
Da muss ich deutlich widersprechen! Alle Tabak-Verbände haben eng kooperiert und gemeinsam mit den Gaststätten-Verbänden hart an der Verhinderung des neuen Nichtraucherschutzgesetzes gearbeitet. Ich kann nur wiederholen, dass hier eindeutig die Unterstützung der Bayerischen Landesregierung gefehlt hat.
Im Übrigen ist das bayerische Gesetz zur Erwirkung eines Volksentscheides verbesserungswürdig. Man beachte, dass es eine Wahlbeteiligung von nur 37% gab. Es haben also lediglich 22,57% aller Wahlberechtigten für ein Nichtraucherschutzgesetz ohne Ausnahmen gestimmt.
Zigarren 














