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Bizarre Delikatessen aus eisiger Finsternis

red roughyDie Welt der Tiefseefische ist extrem und bizarr. Es ist eiskalt. Die Wassertemperatur liegt im Durchschnitt bei zwei Grad. Es ist stockdunkel. Ab 1.000 Meter Tiefe herrscht ewige Nacht. Es besteht ein infernalischer Druck. Bis zu einer Tonne lastet auf einem Quadratzentimeter. Es gibt chronischen Nahrungsmangel. Die Tiere ernähren sich ausschließlich von dem, was von oben herabsinkt.

Tiefseefische sind denn auch ein Produkt ihrer rauhen, unwirtlichen Umwelt. Sie haben außerordentlich große Augen, um die letzten Reste des Lichts einzufangen. Sie wachsen sehr langsam, da es wenig zu fressen gibt. Sie haben kleine, kompakte Körper, um Druck und Kälte standzuhalten. Sie werden steinalt, da sie gleichsam in Zeitlupe leben und wenig Energie verbrauchen. Und sie benötigen bis zu 30 Jahre und mehr, um geschlechtsreif zu werden und Nachkommen zu produzieren.

Bei der Jagd auf die Fischbestände der Tiefsee sind die Fischer nicht besonders zimperlich. Was zählt ist ausschließlich der Profit! Die Trawler setzen Grundschleppnetze ein, die nach dem augenblicklichen Stand der Technik eine Tiefe von 2.000 Meter erreichen können. Sie pflügen mit ihren tonnenschweren Zusatzgewichten wie die apokalyptischen Reiter über den Meeresboden und machen alles platt was ihnen im Weg steht. Die Verwüstungen, die sie dabei anrichten, vergleicht Greenpeace mit dem Kahlschlag in den Regenwäldern Südamerikas.

Den Tiefseefischen setzt diese skrupellose Fangmethode besonders arg zu. Aufgrund der ungewöhnlich harten Lebensbedingungen in der Tiefsee ist ihr Fortpflanzungstrieb nicht besonders ausgeprägt. Die Bestände brauchen also Jahrzehnte, um sich von den Attacken der Fischtrawler zu erholen. Wer das zweifellos delikate Fleisch des Alfoncino oder des Orange Roughy probieren will, sollte das wissen.

Alfoncino - Der rote Schleimkopf

Der Alfoncino wird je nach Region auch Beryx, Imperador oder Red Bream genannt wird. Der rote Raubfisch gehört zur Familie der Schleimköpfe. Er hat einen gedrungenen, kleinen Körper, einen großen Kopf, lange, spitze Flossen und riesige Augen. Charakteristisch für den Alfoncino ist seine stachlige Haut, die sich nach dem Tod merkwürdig verändert. Sie nimmt eine feuerrote Färbung an.

Der Alfoncino kann bis zu 60 Zentimeter groß und über einen Kilo schwer werden. Er kommt in fast allen Weltmeeren vor, außer im östlichen Pazifik. Er lebt und jagt hauptsächlich in Tiefenbereichen zwischen 500 und 800 Meter und liebt felsigen Untergrund. Seine Nahrung besteht aus kleinen Fischen und Weichtieren.

Der Alfoncino, der ein wenig der Dorade ähnelt, gehört zu den schmackhaftesten Speisefischen der Welt. Feinschmecker schätzen sein feines, helles Fleisch. Er wird wegen seiner widerspenstigen Schuppen selten im Ganzen verarbeitet. Seine Filets lassen sich auf jede bekannte Art zubereiten. Besonders gut munden sie schonend im Dampf gegart oder leicht im Mehl paniert.

Orange Roughy - Köstlicher Methusalem
Der Hoplostethus atlanticus ist der Methusalem unter den Tiefseefischen. Er kann extrem alt werden. Bis zu 150 Jahre mutmaßen die Zoologen. Wobei diese Schätzungen mit Vorsicht zu genießen sind. Sollten sie zutreffen, dann sind einige der heutigen Exemplare geschlüpft als Abraham Lincoln Präsident der USA wurde

Der Orange Roughy wird auch Kaiserbarsch oder Granatbarsch genannt. Er lebt in Tiefen von bis zu 1800 Meter. Vorwiegend im östlichen und im westlichen Atlantik, im Ostpazifik und zwischen Neuseeland und Australien. Er gehört wie der Alfoncino zu den schleimkopfartigen Fischen. Besonders gefragt ist er in den Feinschmecker-Restaurants in Down Under. Dort wird unter dem Namen ‚Slimehead‘ oder ‚Red Roughy‘ vermarktet.

Der teure Gourmetfisch zählt zu den bedrohten Tierarten. Er teilt dieses Schicksal mit dem Kabeljau, dem Seehecht, dem Hai und dem Blauflossenthunfisch. Die Bestände sind derart überfischt, daß die Regierungen in Australien und Neuseeland inzwischen die Jagd auf den Orange Roughy in ihren Gewässern auf unbestimmte Zeit verboten hat

 

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