Südafrika: Am Kap der guten Weine

Südafrika: Am Kap der guten Weine


Südafrika präsentierte sich auf der letzten ProWein mit rund 50 Aus­stellern. Ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Deutschland ist für die südafrikanischen Winzer nach England der wichtigste Markt. Pro Jahr exportieren sie etwa 71 Millionen Liter Wein nach Deutschland. Welche Güte die Weine vom Kap haben, hat Jürgen Giesel, der Sommelier des ‚Aqua' in Wolfsburg, unter die Lupe genommen. Er reiste für GOURMET GLOBE quer durch Südafrika und verkostete die Weine von 11 Kellereien. Hier seine Notizen:

Erste Station ist Mont Rochelle, etwas außerhalb von Franschoek gelegen. Hier wirkt seit gut drei Jahren Dustin Osborne als Kellermeister. Sein Stil ist sehr europäisch. Er arbeitet in der Tradition der französischen Weingüter. Unter anderen benutzt er viel französisches Barrique von namenhaften Küffern wie Vicard, Seguin Moreau oder Taransaud.

Die Qualität der Weine von Mont Rochelle hat sich in den vergangenen Jahren extrem gut entwickelt. Selbst die unteren Qualitäten sind solide gekeltert. Das Meisterwerk ist sicherlich der 2006 Chardonnay MR. Er trägt die Initialen von Miko Rwayitare, dem ersten Farbigen, der in Südafrika eine eigene Weinfarm besaß.


Der MR zeigt eine Vielzahl von unterschiedlichen Aromen, unter anderen Honig, Rosinen und Papaya. Sehr gelungen ist auch die Länge, die dieser Wein hinterlässt. Säure und Gerbstoff geben ihm ein langes Leben. Zweifellos einer der besten Weine vom Kap.

Der Weg zum Rainbow End Estate ist mühsam, aber lohnend. Die höchste Merlot-Lage Südafrikas ist nur über abenteuerliche Straßen erreichbar. Das Weingut ist ein typisches Garagenweingut. Hier wird Klasse statt Masse produziert. Nur vier Weine produzieren die Brüder Anton und Francois Malan.


weinregionen suedafrikaSie konzentrieren sich in erster Linie auf drei Rebsorten: Cabernet Franc, Merlot und Shiraz. Der Cabernet Franc 2008 ist noch ein wenig verschlossen, wirkt etwas rustikal. Pfeffer und Paprika sind gut zu erkennen. Die kräftigen Tannine werden von einer ausgewogenen Säure unterstützt. Charakteristisch ist der lange Nachhall mit Aromen von schwarzen Pfeffer und Paprika.

Das Weingut Shannon Vineyardsliegt im Elgin Valley, einem der kühlsten Weinanbaugebiete Südafrikas. Ein außergewöhnliches Makroklima: geschützt von den Bergen im Westen und genährt vom Nebel des Palmier River im Osten. Hier wachsen die besten Trauben, die man in Südafrika kaufen kann. Das wissen auch die Abnehmer der Trauben, viele namhafte Weingüter am Cap. Eines allerdings wissen sie nicht (auch wenn sie es ahnen): James Downes, der Besitzer von Shannon, verkauft nur die Trauben, die für seine eigenen Weine nicht gut genug sind.

Shannon Vineyards ist – im positiven Sinne – ein Freilichtmuseum für Terroir-Freaks. Auf 15 ha werden neun unterschiedliche Bodentypen bearbeitet. In manchen Lagen, in der die Reihen gerade mal 90 Meter lang sind, finden die Reben bisweilen drei verschiedene Unterlagen: Granit, Schiefer und Lehm mit Granit, auch Coffestone genannt.

Der Pinot Noir 2007 duftet nach Trüffel, Sonnenblumen und wilden Sträuchern. Wirkt sehr filigran, nicht gemacht oder dropsig, sondern mineralisch und fein. Bestimmt einer der Besten am Kap.

Am interessantesten aber ist ein Merlot 2007 namens Mount Bullet. Mit den südafrikanischen Merlots habe ich, wie bereits erwähnt, so meine Probleme. Der Mount Bullet allerdings gehört zu den positiven Ausnahmen. Er wirkt ungemein filigran und mineralisch. Er schmeckt nach Paprika, Eukalyptus und Minze. Am Gaumen findet dieser Merlot kaum Halt. Der Nachhall wirkt nobel. So muss ein Merlot schmecken.

Vergelegen in Somerset West ist eines der ältesten und gleichzeitig eindrucksvollsten Weingüter in Südafrika. Die Anlage ist über 300 Jahre alt. Sie wurde vor 23 Jahren von Anglo American Farms gekauft und umfassend renoviert. Der ultramoderne Weinkeller ist ein Muss für jeden Weintouristen!


Vergelegen ist bekannt für seine Sauvignons und Chardonnays. Viele Weine, die ich dort verkosten durfte, waren allerdings eine Enttäuschung. Einzig ein Riesling blieb positiv in Erinnerung: der Nobel Late Harvest. Pfirsich-, Aprikosen- und Mandarinen-Aromen geben einem das Gefühl, einen frischen, kraftvollen Süßwein im Glas zu haben. Die Säure bizzelte wie ein Brause Bon Bon. Aber bei den Temperaturen und einer Schüssel Rhabarber kann ich mir das sehr gut vorstellen.

merlotNächste Station ist das bereits erwähnte Rust-en-Vrede. Ein großes, altes, traditionelles Weingut mit einer der ausgewogensten Kollektionen des Landes. Es gibt weder nach unten noch nach oben irgendwelche Ausreißer. Selbst der Merlot ist hier ein Klassewein und gerade der hat es in Südafrika sehr schwer. Er schmeckt häufig marmeladig, hat keine Spannung, wirkt irgendwie langweilig. Bei Rust-en-Vrede das Gegenteil. Ein echter Topwein, der auch aus dem Bordeaux stammen könnte.


Annex Kloof ist ein Weingut im Swartland (Westkap). Swartland heißt übersetzt „schwarzes Land". Die Bezeichnung ist auf den Nashornbusch zurückzuführen, der nach ausgiebigen Regenfällen so dunkelgrün wird, dass er fast schwarz wirkt.

Die Weine von Annex Kloof sind in ihrer Preisrange kaum zu toppen. Das gilt vor allem für den Weißwein des Guts. Rauchig, florale Aromen, etwas Kräuter. Kombiniert mit einem Nachhall aus Fenchel und Karamell. Großartig!

Die Rotweine sind nicht unbedingt typisch für Südafrika. Der Malbec zum Beispiel ist erfrischend anders. Mit Veilchen, etwas Finbos und Kakao im Mund wirkt er feurig. Wie ein Châteauneuf du Pape, der mit seinen Muskeln am Strand spielt, um die Mädels zu beeindrucken. Aber im Inneren ist der Bodybuilder mit frischer Säure und gut eingebundenem Tannin tiefgründiger als erwartet. Der Malbec gewann übrigens 2006 die Champion Trophy of the Swartland.

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